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Kategorie: Rieke genießt – Essen, Trinken & Events

Köpenicker Altstadt im Weihnachtsglanz

Köpenicker Altstadt im Weihnachtsglanz


An diesem Adventswochenende ist es wieder soweit. Von Freitag bis Sonntag erstrahlt Köpenick in weihnachtlichem Glanz. Und die Altstadt – ohnehin eine Insel an der Dahme und Spree zusammenfließen – verwandelt sich zur „Weihnachtsinsel“. So heißt übrigens auch das diesjährige Motto des Weihnachtsmarktes. Und der findet auf dem Schlossplatz rund um die kleinste Brauerei Deutschlands und vorm barocken Wasserschloss auf der Schlossinsel statt. Der Eintritt ist frei.

DIE SCHAUPLÄTZE

Das Köpenicker Schloss ist – wie ich finde – eine ganz außergewöhnliche und bezaubernde Kulisse, vor allem in der Vorweihnachtszeit.

Seit einigen Jahren schon verwandelt sich Dank kleinen Ständen mit teils regionalen Besonderheiten und großer Weihnachtsbühne mit vielen Künstlern der Platz direkt vor dem Schloss in eine romantische Weihnachtswelt. Dieser heißt aber nicht Schlossplatz, sondern Schlossinsel.

Mein musikalisches Highlight dort war in der Vergangenheit das Konzert vom Schlossbalkon. Die Tradition des abendlichen Turmblasens soll es auch in diesem Jahr wieder geben. Also werft einen Blick ins Programm, Hinweise und Links findet ihr am Ende des Artikels.

Den Markt auf der Schlossinsel mag ich persönlich lieber als den doch etwas lauteren und trubeligen Markt auf dem Schlossplatz. Aber die Entfernungen sind in der Köpenicker Altstadt wirklich ganz kurz. Und schnell ist die Straße zwischen beiden Schauplätzen – vom Schlossplatz hin zur Schlossinsel – überquert. Und vorm Barockschloss, im Schlossinnenhof, erwartet die Besucher Historisches.

DIE SCHLOSSKIRCHE

Besinnliche Stimmung kommt beispielsweise beim weihnachtlichen Orgelkonzert in der historischen Schlosskirche auf. Das findet am Samstag und Sonntag jeweils um 17 Uhr statt. Die Kirche öffnet dafür extra ihre sonst verschlossenen Türen.

Sie ist nämlich nur zu sehr wenigen Gelegenheiten im Jahr öffentlich zugänglich. Ein Blick hinein aber lohnt definitiv!

HÜTTENZAUBER

Unweit vom Schloss und dem Schlossplatz gibt es vor dem Local „Mutter Lustig“ einen dritten Markt, den Hüttenzauber Weihnachtsmarkt. Mit – wie es der Name vermuten lässt- vielen kleine Hütten, beispielsweise auch vom Tradiotionsfußballverein Union. Wer eine Stadionsbratwurst probieren möchte, geht zur Hütte mit der Aufschrift „Alte Försterei“. Im letzten Jahr war ich allerdings von Wildem sehr begeistert, ob als Bratwurst oder als Pulled Pork beziehungsweise Hirsch im Brötchen.

Und auch musikalisch wird am Dahmeufer einiges geboten. Ob Mini-Disco oder Livemusik.

FRAUENTOG

Beim Hüttenzauber habt ihr übrigens einen tollen Blick vom Steg auf die Hütten am Ufer und natürlich umgedreht aufs Wasser. Ihr erblickt beziehungsweise befindet euch dann direkt am Frauentog.

Und nein, hier fehlt kein „r“ im Wort. Der Sage nach haben die Fischerfrauen im Dreißigjährigen Krieg hier im flachen Gewässer die Netze ausgeworfen. Nachdem ihre Männer sich weigerten dort zu fischen. Es herrschte Hungersnot und die Netze der ansässigen Fischerfamilien blieben in Dahme und Spree leider leer. Zwischen Fischerkiez und Schlossinsel aber machten die Frauen reichen Fischfang. Und daher der heutige Name, denn „Frauentog“ heißt „Frauenzug“.

ALTER FISCHERKIETZ

Wer übrigens Köpenick besucht, sollte neben der Altstadt auch einen Abstecher in die Kietz-Straße machen. Kaum einen Steinwurf von der Altstadt entfernt, taucht man plötzlich in eine andere Welt ein. Mit kleinen idyllischen Fischerhäusern, die Jahrhunderte alt sind. Und sich auch heute noch oft in Familienbesitz befinden. Beim Spaziergang durch den Kietz erlebt man ein einzigartiges Flair.

FEURIGE STIMMUNG

Doch zurück zum Hüttenzauber. Auch dieser kleine Weihnachtsmarkt besticht mit besonderem Ambiente.

Eine Kaminhütte und zahlreiche Feuertonnen sorgen für eine kuschelige Atmosphäre. Dazu laufen Weihnachtsengel auf Stelzen an den Besuchern vorbei und sind ein beliebtes Fotomotiv.

BERLINER WEIHNACHTSMÄRKTE

Ich bin ein wirklich großer Fan von Weihnachtsstimmung und besuche liebend gern die Weihnachtsmärkte in Berlin. Meine liebsten Anlaufstellen sind: der Weihnachtsmarkt vorm Roten Rathaus, der WeihnachtsZauber auf dem Gendarmenmarkt, der Weihnachtsmarkt vorm Charlottenburger Schloss und auch der nostalgische Weihnachtsmarkt am Opernpalais. Letzterer findet aber aufgrund von Bauarbeiten erst wieder 2020 statt.

Wirklich ganz oben auf meiner Liste stehen auch die Köpenicker Weihnachtsmärkte. Natürlich bin ich als Köpenickerin etwas voreingenommen. Und da ich von der Altstadt nur 5 Minuten zu mir nach Hause laufe, sowieso. Doch tatsächlich finde ich die Atmosphäre direkt am Wasser und am Schloss einzigartig und neben den üblichen „Fressbudenangeboten“ gibt es wirklich kulinarische Besonderheiten (übrigens zu allen Köpenicker Stadtfesten – ob Köpenicker Sommer, Winzerfrühling oder Katzengrabenfest).

Da sich meine Pläne für das Wochenende kurzfristig geändert haben und ich in ein ganzes Weihnachtsdorf eingeladen wurde, verpasse ich wahrscheinlich dieses Jahr den Köpenicker Weihnachtsmarkt. Denn der findet leider immer nur an einem Adventswochenende statt. Deshalb empfehle ich allen Berlinbesuchern oder Berlinern, die gerade in der Hauptstadt sind: auf nach Köpenick!

Alle Weihnachtsimpressionen sind von mir übrigens schon im Jahr 2016 aufgenommen und sollen euch etwas auf Köpenick und seinen Weihnachtsglanz einstimmen.

HISTORISCHE ALTSTADT

Und nicht nur die Marktstände und Weihnachtsbühnen sorgen für weihnachtliches Flair. Die historische Altstadt selbst ist weihnachtlich geschmückt und immer einen Besuch wert.

Das gotische Rathaus ist ein tolles Fotomotiv. Draußen wie Drinnen. Mein Tipp hier: schaut euch die kostenlose Ausstellung zum legendären „Hauptmann von Köpenick“ an und betrachtet die Stadtkasse im Rathaus, die er 1906 raubte. Die dicken Stahltüren sind auf jeden Fall beeindruckend. Der falsche Hauptmann steht übrigens als lebensgroße Figur vor den Rathaustreppen. Nicht wundern, Wilhelm Voigt, so der echte Name vom kleinen Schumacher war von der Statur her nicht der Größte.

PROGRAMMINFORMATIONEN

Köpenick, die Weihnachtsinsel 2018

Hüttenzauber Weihnachtsmarkt

ÖFFNUNGSZEITEN

Freitag, 14.12.18, 14 – 21 Uhr I Samstag, 15.12.18, 12 – 21 Uhr I Sonntag, 16.12.18, 12 – 20 Uhr

Vielleicht schaffe ich es noch zum „Swinging Christmas“ Auftritt am Sonntagabend oder kann wenigstens noch einmal kurz über meinen liebsten Weihnachtsmarkt in Berlin schlendern.

Doch keine Angst, ich erlebe an diesem Wochenende auch ganz viel Weihnachtszauber. In einem Weihnachtsdorf, das inmitten eines alten Gutshofes erbaut wurde. Auch hier gibt es verlockende Düfte, viele Gaumenfreuden und eine große Portion Romantik an den vielen Feuerstellen. Ein bisschen fühle ich mich an mein Köpenick erinnert.

In diesem Sinne grüße ich euch vom Pronstorfer Weihnachtsmarkt in Schleswig-Holstein und wünsche euch jetzt aus der Knechtskammer eine gute Nacht.

Eure Rieke

Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Nun habe ich die Classic Open Air von beiden Seiten erlebt. Inmitten der unglaublichen Kulisse und als Zaungast dahinter. Und muss sagen, jeder Blickwinkel war ein Erlebnis. Aber trotzdem bin ich auf die TV-Ausstrahlung vom Eröffnungskonzert gespannt, denn natürlich bekommt man „draußen“ nicht jeden Ton mit, der auf der Bühne vor dem Konzerthaus gespielt wird.

NICHT FEHLEN DÜRFEN…

Bei unserer Ankunft war ich wirklich überrascht. So viele Menschen vor dem Platz, vor der Umzäunung. Bis zu 1000 sollen es pro Abend gewesen sein. Auf der Strasse, in umliegenden Häusern, aus Fenstern oder von Dächern zuschauend. Das Konzerterlebnis vor den Toren des Festivals wird beim (nicht zahlenden) Publikum regelrecht zelebriert. Da gibt es nicht nur mitgebrachte Campingstühle, sondern aufgebaute Tische, liebevoll mit Blumen dekoriert. Wein und Sekt stehen bei so mancher Gruppe stilvoll im Kühler und die kleinen Snacks trotzen sommerlichen Temperaturen, denn sie werden ebenfalls gekühlt. Im nächsten Jahr kommen wir auch mit Kühltasche und Tisch im Gepäck wieder. Da sind wir uns schnell einig.

DER BESTE PLATZ ALS ZAUNGAST

Die Ecke Markgrafenstraße/Taubenstraße war nach kurzer Suche der perfekte Platz, um unsere Campingstühle aufzustellen und die Picknickdecke auszubreiten. Mit Blick auf den Deutschen Dom und gut die Hälfte vom Konzerthaus konnte man von hier aus auch erkennen. Allerdings nur die obere linke Hälfte. Die Bühne weiter unten blieb natürlich dem Publikum auf dem Gendarmenmarkt drinnen vorbehalten. Auf jeden Fall aber war unser Standort bestens gewählt um später das große Feuerwerk zu bestaunen. Denn dabei hatten wir alle Leuchtfeuer am Himmel genau im Blick. Im direkten Vergleich – ich muss es ganz ehrlich sagen – waren unsere Campingstühle deutlich bequemer als die Klappstühle auf dem Gendarmenmarkt (die ich Sonntag dann ausprobierte).

REGES TREIBEN

„Drinnen“ steppt der Bär, wie man so schön sagt. Rund um das berühmte Schiller-Denkmal. Mit vielen facettenreichen Auftritten. „Klassisch“ ist hier schon mal gar nichts. Nicht umsonst schreibt sich das Festival mit einem „C“ statt mit einem „K“. Und so holt das Classic Open Air am Gendarmenmarkt wirklich jeden ab. Vom Klassik-Fan bis hin zum Zuhörer, der es in Sachen Musik dann doch moderner liebt. Auf der Bühne ist Abwechslung das Zauberwort. Ich war vor allem Fan der vielen Filmmusiken und habe von „Bodyguard“ bis zum „Weißen Hai“ einiges erkannt, was man von „drinnen“ zu hören bekam.

Action auf der Bühne. Reges Treiben aber auch in den Straßen, die sich im Laufe des Abends immer mehr füllen. Geschäftsleute im Business-Dress bleiben stehen, lauschen den Klängen und stellen für einen Moment Aktenkoffer und Laptoptasche ab. Auch das „illegale“ Publikum ist sehr gemischt, von jung bis jung geblieben. Vom hippen Biertrinker bis zum edel durchgestylten Rosétrinker. Eins aber eint uns alle: wir verstehen (leider) nicht immer alles, was aus Richtung Bühne zu uns rüber kommt. Das macht aber nichts. Kurzerhand erraten wir einfach die Stars des Abends und die gespielten Filmmusiken. War das jetzt Axel Prahl? Ganz sicher waren wir uns beim Haupt-Act: Peter Maffay. Er hat einfach eine unverkennbare Stimme. Wie gesagt die „Auflösung“ schauen wir uns dann am 18. Juli 2018 im Fernsehen an. Während der Pause übrigens hatten wir ganz klar wir die besseren „Karten“. Nicht nur die bequemen Stühle. Alle Snacks gingen noch mal ganz gemütlich herum, kein langes Anstehen nötig. Gurken, Bouletten, Cabanossi, selbstgemachter Avocado-Dip, Grissini, frische tiefrote Erdbeeren sowie getrocknete Apfelchips. Mit großer Getränkeauswahl wurde angestoßen – auf ein tolles Erlebnis und auf eine tolle gemeinsame Zeit. Es war zauberhaft!

VIER PIANISTEN – EIN KONZERT

Gespannt war ich dann am Sonntag auf das Klangerlebnis direkt auf dem Platz, in das man natürlich nur kommt, wenn man im Besitz einer Karte ist. Genauso einzigartig wie die Musiker auf der Bühne, ist auch ihr Spielort. Und ich muss zugeben, wenn man mittendrin auf dem Gendarmenmarkt sitzt, ist das Zusammenspiel von Musik und Blick auf die historischen Gebäude überwältigend. Die Farben vom Konzerthaus wechseln – passend zum jeweiligen Musikstück und Künstler. Und die Künstler gaben an diesem Abend wirklich alles. Noch nie habe ich so eine Bandbreite an Klaviermusik erlebt, von Klassik bis Moderne. Noch nie habe ich vier Pianisten – gleichzeitig – an zwei Flügeln spielen sehen. Noch nie habe ich solche großartigen Klänge auf dem Gendarmenmarkt vernommen. Und so hatte ich – Dank den Ausnahmekünstlern Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger & Martin Tingvall – viele bezaubernde Momente an diesem Abend. Sie haben nicht nur am Flügel gespielt, sondern zwischen den Stücken auch wunderbar unterhalten. Man merkte ihnen die Freude hier zu spielen regelrecht an. Und auch das Wetter spielte wieder mit. Das ist bei einem Open Air Event ja nicht ganz unwichtig. Regenschirm aufspannen ist nämlich verboten. Und bei einer Schlecht-Wetter-Prognose empfiehlt sich dann ein dünner Einweg-Regenponcho.

Der Gendarmenmarkt gilt ja nicht nur als schönster Platz von Berlin, sondern sogar von Europa. Und wenn dieser historische, wunderschöne Ort mit solch einem musikalischen Feuerwerk bespielt wird, ist das wirklich etwas ganz besonderes. Besonders war aber auch die Zeit nach dem Konzert. Als dann die vielen Tausend Besucher zu den Ausgängen eilten. Ich blieb noch eine Zeit lang sitzen, inmitten der leeren Stuhlreihen. Denn ich wollte diese Kulisse und auch die plötzliche Ruhe noch etwas genießen. Und so entstanden zwei Fotos, die diese Stille nach dem Konzert wunderbar einfangen wie ich finde.

Blick auf Konzerthaus und leere Bühne
Französischer Dom bei Nacht

 

MEIN TIPP: Mit dem Classic Open Air Festival erlebt man klassische Konzerte einmal von einer ganz anderen Seite. Crossover ist das Stichwort. Das gefällt auch denjenigen, die sich überhaupt nicht als Fan klassischer Musik bezeichnen würden. Also hingehen, zuhören, ausprobieren. Und das Festival von zwei unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten – als Besucher auf dem Gelände und als Zaungast fernab der Absperrung – kann ich nur empfehlen. Denn beides hat seinen Reiz.

Der Gendarmenmarkt – Bühne für die Classic Open Air

Der Gendarmenmarkt – Bühne für die Classic Open Air

Heute geht das Open Air Event wieder los. 5 Tage lang steht Berlins schönster Platz rund um das Schiller-Denkmal ganz im Zeichen der Musik. Geboten werden besondere Klangerlebnisse: von Klassik bis Crossover. Ein Streifzug durch verschiedene Musikrichtungen ist das Konzept. So werden klassische Musikkonzerte auch mal mit Rock, Pop oder Jazz kombiniert. Vom 5. bis 9. Juli 2018 wird der Gendarmenmarkt zur tollen Kulisse für diesen musikalischen Hochgenuss. Umrahmt von Schauspielhaus, Deutschem und Französischem Dom.

Freitreppe vom Konzerthaus (ehemaliges Schauspielhaus) und Französischer Dom
Deutscher Dom

Am Eröffnungstag gibt es ein großes Feuerwerk, das den Himmel über Berlins historischer Mitte zum Leuchten bringt. Auf der Freitreppe zum Konzerthaus (ehemaliges Schauspielhaus) tritt das Deutsche Filmorchester Babelsberg in der First Night nicht nur auf, sondern feiert auch seinen hundertsten Geburtstag. Und so darf man sich auf Melodien großer Hollywood-Blockbuster freuen und Titel aus alten Ufa- und DEFA-Zeiten. Rock- und Pop-Songs sowie weltberühmte Werke aus Klassik und Oper. Moderiert von der wunderbaren Kim Fisher, die auf der Bühne Peter Maffay, Cassandra Steen, Axel Prahl, Katharine Mehrling, Dagmar Manzel, Joja Wendt, Nicole Chevalier, Robert Watson, Lars Redlich, Dieter „Maschine“ Birr, Günther Fischer mit Tochter Laura und viele mehr begrüßt.

PICKNICK UNTERM STERNENHIMMEL

Ich freue mich auf einen bunten, musikalischen Abend! Und auf ein Picknick unterm Sternenhimmel. Für das Eröffnungskonzert in der First Night suche ich mir heute – bewaffnet mit Picknickdecke und Campingstuhl – nämlich einen Platz außerhalb der Umzäunung. Das ist inzwischen Kult, habe ich mir sagen lassen. Inzwischen gibt es also die schöne Tradition das Spektakel auch von draußen zu erleben. Sehen kann man dann zwar nichts, aber eben den zauberhaften Klängen lauschen. Und anschließend den Auftaktabend im rbb Fernsehen am 18. Juli um 20.15 Uhr nachschauen. Am Sonntag beim Crossover Abend „Vier Pianisten – Ein Konzert“ wechsle ich dann die Perspektive und schaue mir das Festival von drinnen an. Mehr zu meinem Besuch auf dem Gendarmenmarkt und als Zaungast findet ihr hier: ein kleiner Erlebnis-Bericht.

Viel Spaß allen, die sich in den nächsten Tagen und heute rund um den Gendarmenmarkt tummeln!


Classic Open Air am Gendarmenmarkt I 5. bis 9. Juli 2018 jeweils um 19.30 Uhr Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin I www.classicopenair.de

 

Und hier noch Wissenswertes zum Gendarmenmarkt und zur Aussichtsplattform auf dem Französischen Dom:

DER GENDARMENMARKT

Der Platz gehört zu den Hotspots der Spree-Metropole. Restaurants, Cafés, exklusive Boutiquen sind in der Nähe, ebenso die berühmte „Friedrichstraße“ oder der Prachtboulevard „Unter den Linden“. Heute schlendern Berliner und Touristen über den Gendarmenmarkt, auf dem einst Soldaten im preußischen Reiterregiment marschierten. Seinen Namen erhielt der ursprünglich als Markt angelegte Ort 1799. Nach den berühmten „Gens d’àrmes“ und in Erinnerung an die Stallungen, die der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. hier im Jahr 1736 errichten ließ.

FRANZÖSISCHER DOM: WO BITTE GEHT’S  NACH DRAUßEN?

Von der Aussichtsplattform des Französischen Doms (Eintritt 3 €) hat man einen wunderschönen Blick über Berlins schönsten Platz. Den ihr in den Bildern oben seht. Leider werden der Turm und auch das Hugenottenmuseum gerade saniert.

Vielleicht finde ich bei der Wiedereröffnung 2019 dann aber die Tür nach draußen. Als ich im letzten Jahr wirklich ganz oben unter einer gigantischen Glocke ankam, war ich überrascht. Alles verglast und so manches runde Fenster bot wegen erhöhtem Verschmutzungsgrad keine schönen Aussichten auf ein brillantes Foto. Wieder unten angekommen schlenderten wir hinüber zum Deutschen Dom. Und dann kam die Erkenntnis: es muss einen Weg ins Freie geben, den wir verpasst oder einfach nicht gesehen haben. Denn hinter der runden Balustrade unterhalb der Kuppel waren ganz deutlich Menschen zu erkennen.

Nun gut, ein Grund nochmal hinauf zu steigen. Und immerhin ist man ein Stockwerk höher auch dem Himmel mindestens ein oder zwei Meter näher. Fehlender Orientierungssinn lässt sich manchmal auch schön reden…

Kriegsbilder zum Geburtstag: Valery Faminsky Berlin V.1945

Kriegsbilder zum Geburtstag: Valery Faminsky Berlin V.1945

 

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar

Valery Faminsky sitzt spielend am Klavier. Mitten auf den Straßen vom zerstörten, aber befreiten Berlin 1945. Als Fotograf der roten Armee machte er in den Tagen der Kapitulation rund um den 8. Mai viele Bilder, darunter auch private Aufnahmen. Vom Reichstag und ganzen Straßenzügen, die in Trümmern liegen. Geboren ist der russischen Kriegsfotograf am 15. Mai, vor 104 Jahren. Und genau an seinem Geburtstag erfahre ich mehr über die Geschichte der wiederentdeckten Kriegsbilder. Zu sehen sind sie in der Fotobuchhandlung „Bildband Berlin“. Noch bis zum 12. Juli 2018. Der Eintritt ist frei.


Eine Buchhandlung, keine Galerie denke ich beim Betreten. Ich hatte nur von einer Ausstellung mit Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg gelesen. Zahlreiche Fotobände stehen hier in den Regalen. Inmitten der bunten Buchrücken hängen sie, die fast verlorenen Schätze von Valery Faminsky. Erstmals werden die Bilder nun in Berlin gezeigt. In eben jener Stadt, wo der Militärfotograf vor genau 73 Jahren auf den Auslöser drückte. Valery Faminsky konnte sich mit seiner Kiev Kamera im zerstörten Berlin relativ frei bewegen. Er dokumentierte die Versorgung und den Transport verwundeter Soldaten. Soweit der Auftrag. Doch seine Bilder zeigen nicht nur das verletzte russische Militär. Sondern auch die Verletzungen der Berliner Bevölkerung, die Verletzungen einer ganzen Stadt und wie das Leben nach der Kapitulation aussah. Genau das unterscheidet seine Bilder von den vielen Fototografien der ersten Nachkriegswochen. Anders als bei offiziellen Aufnahmen – oft gestellt und für Propagandazwecke gemacht – schaut Faminsky genau hin. Und blickt zu den Menschen auf beiden Seiten des Krieges.

In einer Zeit, wo es immer weniger Zeitzeugen gibt, sind es Fotografien wie diese, die bleiben und erinnern. An eine Epoche im zerstörten Berlin, in der an manchen Plätzen kein Stein mehr auf dem anderen lag.

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar
„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar

ZEUGNISSE DER STUNDE NULL

Ich betrachte jedes einzelne der 22 ausgestellten Bilder. Zuerst wie das Kriegsende von einem Soldaten der Roten Armee in den Straßen Berlins verkündet wird. Am 7. Mai wurde die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Einen Tag später trat sie in Kraft und wurde lautstark bekanntgegeben.

Gleich daneben hängt ein Bild, was die Verteilung der Flugblätter an die Zivilbevölkerung zeigt. Die offizielle Kapitulation, gedruckt Schwarz auf Weiß. Lachende Kinder, die begeistert danach greifen. Verhaltener stehen dagegen die Erwachsenen am Rand. Sicher schwingt Angst vor „den Russen“ bei ihnen mit. Mittendrin in der Menge aber steht ein junger Mann. Er sticht heraus: verschmitztes Lächeln, akkurater Scheitel, gut aussehend. Das Bild beeindruckt, nicht nur mich sondern auch Joe Dilworth. Er ist der Geschäftsführer von Bildband Berlin.

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar
„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar 

JOE DILWORTH

„Die Bilder sind irgendwie herzlich. Sie zeigen nicht das Image, das wir von der Eroberung der Roten Armee in Berlin haben. Und es sind eben nicht nur Schnappschüsse von irgendeinem Soldaten. Valery Faminsky war ein richtiger Fotograf. Er hat Berlin fotografiert in den Monaten, wo kaum jemand die Erlaubnis dazu hatte. Die Bilder damals mussten ja alle durch die Zensur, selbst nach dem Krieg.“ Joe Dilworth

Gebürtig kommt Joe Dilworth aus London. Seit zehn Jahren aber wohnt er in der deutschen Hauptstadt und betreibt zusammen mit Thomas Gust die Fotobuchhandlung im Prenzlauer Berg. Was ihn nach Berlin gezogen hat will ich wissen. Es ist ein bisschen wie London vor zwanzig Jahren, meint Joe. Er kennt die Stadt – Ost und West – von früheren Besuchen. Seine Liebe zu Berlin begann früh, in den 80ziger Jahren. Und nun ist er hier. Seine neue Heimat ist oft auch Fotomotiv, denn er ist Fotograf. Privat bereist und fotografiert er seit Jahren Osteuropa und arbeitet aktuell an einem Fotobuch. Neben Orten in Ungarn, Rumänien und der ehemaligen Tschechoslowakei, darf dabei Berlin natürlich nicht fehlen.

Joe Dilworth, Bildband Berlin

Mit den Menschen, die sich die Ausstellung anschauen, kommt er eigentlich immer ins Gespräch. Eine Frau, die ihr Wohnhaus auf einem der Fotos wiedererkannte, erzählte ihm wie sie in den Luftschutzraum flüchtete und es nach dem Angriff kein Zurück mehr in das zerstörte Haus gab. Was sie nun hier wieder an der Wand hängen sieht.

Joe fragt mich, welches Motiv mir am besten gefällt. Ich habe zwei. Ein Panzer steht geparkt zwischen zwei Häusern mitten im Vorgarten. Und Soldaten der Roten Armee sitzen – keine drei Meter daneben – um einen Tisch. Die Szene wirkt irgendwie unwirklich. Das weiße Tischtuch gibt den Blick frei auf eins der Tischbeine. Das mir bekannt vorkommt. Ein ähnlicher Tisch stand früher – keine 15 Minuten entfernt von hier – in unserer alten Ausbauwohnung. Noch heute sitzen wir um das antike Stück, wenn die Familie zusammen kommt. Ich muss meinen Papa unbedingt fragen, woher der Esstisch eigentlich stammt.

 

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar

Doch zurück zu den Bildern. Ein weiteres Foto – wieder mit Panzer –  fasziniert mich. Vor dem Ungetüm sitzt ein Paar, ganz dicht beieinander. Ein wirklich merkwürdiger Ort für ein Date, denke ich.

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar

Joe lenkt meinen Blick auf einen verwundeten Rotarmisten, der von einem Hundewagen gezogen wird.

„Die Rote Armee war nicht so gut ausgerüstet. Deswegen auch die vielen Kopfverletzungen, weil die Soldaten keinen Stahlhelm hatten. Teilweise noch nicht einmal ein Pferd.“  Joe Dilworth

„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar
„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar
„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar
„Berlin. May 1945” / Foto: © Valery Faminsky, Privatsammlung: Arthur Bondar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Valery Faminsky zeigt den Alltag der verwundeten russischen Soldaten. Die sogar mit Hundewagen transportiert wurden. Seine Fotos aber zeigen auch das Ausmaß der Zerstörung. Von ganzen Straßenzügen, die nicht mehr existieren, Trümmerfrauen bei der Arbeit und Menschen unterwegs mit ihrem Hab und Gut, mitten in den Trümmern von Berlin… Eben beide Seiten vom Krieg. Besiegte und Sieger. Verwundete Zivilbevölkerung und verwundete Soldaten.

DIE WIEDERENTDECKUNG

Hier an den Wänden hängt ein Stück Zeitgeschichte. Beeindruckende Aufnahmen, die fast verloren gegangen wären. Anfang August 1945 kehrt Faminsky zurück nach Moskau. Seine privaten und inoffiziellen Aufnahmen aus Berlin werden weder abgedruckt, noch irgendwo ausgestellt. 1993 stirbt er. Und seine Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg geraten in Vergessenheit. Bis Arthur Bondar – ein renomierter Moskauer Fotograf – sie im Internet wiederentdeckt, wo sie von der Familie zum Verkauf angeboten werden. Russische Museen waren auch interessiert, wollten aber kein Geld zahlen. Und so kaufte Bondar vor zwei Jahren das gesamte Archiv Faminsky’s mit Bildern von 1943   – 1945: Negative und Kontaktabzüge, ordentlich versehen mit Bildunterschriften. In Moskau zeigte er der Öffentlichkeit erstmals eine Auswahl. Und jetzt sind sie auch hier in Berlin zu sehen.

BILDBAND BERLIN – FOTOBUCHHANDLUNG IM PRENZLAUER BERG

Jeden Monat übrigens wechselt die Fotoausstellung in der Immanuelkirchstrasse. Zusammen mit einer neuen Buchvorstellung. Doch die Bilder von Faminsky sind so besonders, ihre Geschichte so außergewöhnlich, schwärmt Joe, dass sie noch bis zum 12. Juli gezeigt werden. Der von Arthur Bondar veröffentliche Bildband „Valery Faminsky – Berlin V. 1945“ ist bereits vergriffen. Zu groß war der Ansturm bei der Vernissage letzten Freitag.

  

Und so frage ich Joe Dilworth welches andere Fotobuch er mir denn über Berlin empfehlen kann. Gezielt greift er ins Regal. „Berlin Nordost 1972-1990: Am Rande der stehenden Zeit“ von Manfred Paul. Ein kleiner Zeitsprung. Inmitten der Kriegsbilder von Valery Faminsky, die überall an den Wänden hängen, zeigt sich mir erneut morbider Charme. Marode Straßenzüge und Hinterhöfe im Bezirk Prenzlauer Berg. Beeindruckend intensiv, mit einer ganz eigenen Stimmung. Ich erkenne Plätze und Straßen und vergleiche sie natürlich sofort mit heute. Der Wandel von Berlin und seine Geschichte wird mir einmal mehr bewusst. Viele Bilder aber zeigen – Jahrzehnte nach Kriegsende – noch immer ein zerstörtes Berlin. Der Wiederaufbau verlief tatsächlich unterschiedlich in der später geteilten Stadt. Mit Marshallplan, Wirtschaftswunder und Demokratie auf der einen Seite. Kommunistische Diktatur auf der anderen.

Ich stöbere noch in ein paar anderen Bildbänden. Sie zeigen das laute, schrille Ost-Berlin von damals. Und eine inzwischen verschwundene Stadt. Lange betrachte ich eine Fotografie mit Trabis, die im Sonnenschein regelrecht zu glänzen scheinen. Dicht an dicht stehen sie auf dem Parkplatz vor dem Palast der Republik. Auch der inzwischen verschwunden.

Nicht so aber die unzähligen Schätze, die hier im Bildband Berlin liegen. Wer also besondere Fotografien und Fotobücher sucht, findet sie hier. Natürlich nicht nur über Berlin. Es gibt Klassiker und seltene Exemplare aus der ganzen Welt, teilweise handsigniert. Wirklich ein kleines Juwel, dieser Ort und diese besondere Fotobuchhandlung.


Bildband Berlin I Immanuelkirchstraße 33, 10405 Berlin I www.bildbandberlin.com  

Ausstellung „Berlin Mai 1945“ mit Fotos von Valery Faminsky I 12. Mai – 12. Juli 2018

Der fotografische Blick zurück in eine längst vergangene Zeit zieht mich danach in meine eigene Vergangenheit. Die Greifenhagenerstraße ist nicht weit entfernt. Wie unsere alte Ausbauwohnung im Erdgeschoss heute wohl aussieht? Der sinnflutartige Regen aber macht mir einen Strich durch mein Vorhaben. Und am Ende lande ich in der  Wohnzimmer-Bar am Helmholtzplatz. Ein Blick auf das gemütliche Mobilar genügt, irgendwie ein passendes Ende vom Tag. Und erneut eine kleine Zeitreise. Mit DDR-Charme und einem charmanten Barkeeper, der auch individuelle Cocktailwünsche erfüllt. Und die lassen sich bei toller Musik genießen.

Wohnzimmerbar I Lettestraße 6, 10437 Berlin I www.wohnzimmer-bar.de

Apropos Musik. Joe Dilworth vom Bildband Berlin ist nicht nur Fotograf und Galerist, auch Musiker. Am Sonntag, den 20. Mai 2018 spielt er mit seiner Band „Cavern of Anti-Matter“ in der Volksbühne. Und so schließt sich der Kreis. Zu Valery Faminsky, der nicht nur Fotograf, sondern ebenfalls Musiker war. Ein Mann mit vielen Talenten, der trotz seines Sehfehlers als Frontfotograf der Roten Armee arbeiten durfte. Glücklicherweise, denn sonst könnten wir heute keinen Blick auf seine einzigartigen und sehr persönlichen Fotografien werfen.