Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Nun habe ich die Classic Open Air von beiden Seiten erlebt. Inmitten der unglaublichen Kulisse und als Zaungast dahinter. Und muss sagen, jeder Blickwinkel war ein Erlebnis. Aber trotzdem bin ich auf die TV-Ausstrahlung vom Eröffnungskonzert gespannt, denn natürlich bekommt man „draußen“ nicht jeden Ton mit, der auf der Bühne vor dem Konzerthaus gespielt wird.

NICHT FEHLEN DÜRFEN…

Bei unserer Ankunft war ich wirklich überrascht. So viele Menschen vor dem Platz, vor der Umzäunung. Bis zu 1000 sollen es pro Abend gewesen sein. Auf der Strasse, in umliegenden Häusern, aus Fenstern oder von Dächern zuschauend. Das Konzerterlebnis vor den Toren des Festivals wird beim (nicht zahlenden) Publikum regelrecht zelebriert. Da gibt es nicht nur mitgebrachte Campingstühle, sondern aufgebaute Tische, liebevoll mit Blumen dekoriert. Wein und Sekt stehen bei so mancher Gruppe stilvoll im Kühler und die kleinen Snacks trotzen sommerlichen Temperaturen, denn sie werden ebenfalls gekühlt. Im nächsten Jahr kommen wir auch mit Kühltasche und Tisch im Gepäck wieder. Da sind wir uns schnell einig.

DER BESTE PLATZ ALS ZAUNGAST

Die Ecke Markgrafenstraße/Taubenstraße war nach kurzer Suche der perfekte Platz, um unsere Campingstühle aufzustellen und die Picknickdecke auszubreiten. Mit Blick auf den Deutschen Dom und gut die Hälfte vom Konzerthaus konnte man von hier aus auch erkennen. Allerdings nur die obere linke Hälfte. Die Bühne weiter unten blieb natürlich dem Publikum auf dem Gendarmenmarkt drinnen vorbehalten. Auf jeden Fall aber war unser Standort bestens gewählt um später das große Feuerwerk zu bestaunen. Denn dabei hatten wir alle Leuchtfeuer am Himmel genau im Blick. Im direkten Vergleich – ich muss es ganz ehrlich sagen – waren unsere Campingstühle deutlich bequemer als die Klappstühle auf dem Gendarmenmarkt (die ich Sonntag dann ausprobierte).

REGES TREIBEN

„Drinnen“ steppt der Bär, wie man so schön sagt. Rund um das berühmte Schiller-Denkmal. Mit vielen facettenreichen Auftritten. „Klassisch“ ist hier schon mal gar nichts. Nicht umsonst schreibt sich das Festival mit einem „C“ statt mit einem „K“. Und so holt das Classic Open Air am Gendarmenmarkt wirklich jeden ab. Vom Klassik-Fan bis hin zum Zuhörer, der es in Sachen Musik dann doch moderner liebt. Auf der Bühne ist Abwechslung das Zauberwort. Ich war vor allem Fan der vielen Filmmusiken und habe von „Bodyguard“ bis zum „Weißen Hai“ einiges erkannt, was man von „drinnen“ zu hören bekam.

Action auf der Bühne. Reges Treiben aber auch in den Straßen, die sich im Laufe des Abends immer mehr füllen. Geschäftsleute im Business-Dress bleiben stehen, lauschen den Klängen und stellen für einen Moment Aktenkoffer und Laptoptasche ab. Auch das „illegale“ Publikum ist sehr gemischt, von jung bis jung geblieben. Vom hippen Biertrinker bis zum edel durchgestylten Rosétrinker. Eins aber eint uns alle: wir verstehen (leider) nicht immer alles, was aus Richtung Bühne zu uns rüber kommt. Das macht aber nichts. Kurzerhand erraten wir einfach die Stars des Abends und die gespielten Filmmusiken. War das jetzt Axel Prahl? Ganz sicher waren wir uns beim Haupt-Act: Peter Maffay. Er hat einfach eine unverkennbare Stimme. Wie gesagt die „Auflösung“ schauen wir uns dann am 18. Juli 2018 im Fernsehen an. Während der Pause übrigens hatten wir ganz klar wir die besseren „Karten“. Nicht nur die bequemen Stühle. Alle Snacks gingen noch mal ganz gemütlich herum, kein langes Anstehen nötig. Gurken, Bouletten, Cabanossi, selbstgemachter Avocado-Dip, Grissini, frische tiefrote Erdbeeren sowie getrocknete Apfelchips. Mit großer Getränkeauswahl wurde angestoßen – auf ein tolles Erlebnis und auf eine tolle gemeinsame Zeit. Es war zauberhaft!

VIER PIANISTEN – EIN KONZERT

Gespannt war ich dann am Sonntag auf das Klangerlebnis direkt auf dem Platz, in das man natürlich nur kommt, wenn man im Besitz einer Karte ist. Genauso einzigartig wie die Musiker auf der Bühne, ist auch ihr Spielort. Und ich muss zugeben, wenn man mittendrin auf dem Gendarmenmarkt sitzt, ist das Zusammenspiel von Musik und Blick auf die historischen Gebäude überwältigend. Die Farben vom Konzerthaus wechseln – passend zum jeweiligen Musikstück und Künstler. Und die Künstler gaben an diesem Abend wirklich alles. Noch nie habe ich so eine Bandbreite an Klaviermusik erlebt, von Klassik bis Moderne. Noch nie habe ich vier Pianisten – gleichzeitig – an zwei Flügeln spielen sehen. Noch nie habe ich solche großartigen Klänge auf dem Gendarmenmarkt vernommen. Und so hatte ich – Dank den Ausnahmekünstlern Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger & Martin Tingvall – viele bezaubernde Momente an diesem Abend. Sie haben nicht nur am Flügel gespielt, sondern zwischen den Stücken auch wunderbar unterhalten. Man merkte ihnen die Freude hier zu spielen regelrecht an. Und auch das Wetter spielte wieder mit. Das ist bei einem Open Air Event ja nicht ganz unwichtig. Regenschirm aufspannen ist nämlich verboten. Und bei einer Schlecht-Wetter-Prognose empfiehlt sich dann ein dünner Einweg-Regenponcho.

Der Gendarmenmarkt gilt ja nicht nur als schönster Platz von Berlin, sondern sogar von Europa. Und wenn dieser historische, wunderschöne Ort mit solch einem musikalischen Feuerwerk bespielt wird, ist das wirklich etwas ganz besonderes. Besonders war aber auch die Zeit nach dem Konzert. Als dann die vielen Tausend Besucher zu den Ausgängen eilten. Ich blieb noch eine Zeit lang sitzen, inmitten der leeren Stuhlreihen. Denn ich wollte diese Kulisse und auch die plötzliche Ruhe noch etwas genießen. Und so entstanden zwei Fotos, die diese Stille nach dem Konzert wunderbar einfangen wie ich finde.

Blick auf Konzerthaus und leere Bühne
Französischer Dom bei Nacht

 

MEIN TIPP: Mit dem Classic Open Air Festival erlebt man klassische Konzerte einmal von einer ganz anderen Seite. Crossover ist das Stichwort. Das gefällt auch denjenigen, die sich überhaupt nicht als Fan klassischer Musik bezeichnen würden. Also hingehen, zuhören, ausprobieren. Und das Festival von zwei unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten – als Besucher auf dem Gelände und als Zaungast fernab der Absperrung – kann ich nur empfehlen. Denn beides hat seinen Reiz.

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