Köpenicker Altstadt im Weihnachtsglanz

Köpenicker Altstadt im Weihnachtsglanz


An diesem Adventswochenende ist es wieder soweit. Von Freitag bis Sonntag erstrahlt Köpenick in weihnachtlichem Glanz. Und die Altstadt – ohnehin eine Insel an der Dahme und Spree zusammenfließen – verwandelt sich zur „Weihnachtsinsel“. So heißt übrigens auch das diesjährige Motto des Weihnachtsmarktes. Und der findet auf dem Schlossplatz rund um die kleinste Brauerei Deutschlands und vorm barocken Wasserschloss auf der Schlossinsel statt. Der Eintritt ist frei.

DIE SCHAUPLÄTZE

Das Köpenicker Schloss ist – wie ich finde – eine ganz außergewöhnliche und bezaubernde Kulisse, vor allem in der Vorweihnachtszeit.

Seit einigen Jahren schon verwandelt sich Dank kleinen Ständen mit teils regionalen Besonderheiten und großer Weihnachtsbühne mit vielen Künstlern der Platz direkt vor dem Schloss in eine romantische Weihnachtswelt. Dieser heißt aber nicht Schlossplatz, sondern Schlossinsel.

Mein musikalisches Highlight dort war in der Vergangenheit das Konzert vom Schlossbalkon. Die Tradition des abendlichen Turmblasens soll es auch in diesem Jahr wieder geben. Also werft einen Blick ins Programm, Hinweise und Links findet ihr am Ende des Artikels.

Den Markt auf der Schlossinsel mag ich persönlich lieber als den doch etwas lauteren und trubeligen Markt auf dem Schlossplatz. Aber die Entfernungen sind in der Köpenicker Altstadt wirklich ganz kurz. Und schnell ist die Straße zwischen beiden Schauplätzen – vom Schlossplatz hin zur Schlossinsel – überquert. Und vorm Barockschloss, im Schlossinnenhof, erwartet die Besucher Historisches.

DIE SCHLOSSKIRCHE

Besinnliche Stimmung kommt beispielsweise beim weihnachtlichen Orgelkonzert in der historischen Schlosskirche auf. Das findet am Samstag und Sonntag jeweils um 17 Uhr statt. Die Kirche öffnet dafür extra ihre sonst verschlossenen Türen.

Sie ist nämlich nur zu sehr wenigen Gelegenheiten im Jahr öffentlich zugänglich. Ein Blick hinein aber lohnt definitiv!

HÜTTENZAUBER

Unweit vom Schloss und dem Schlossplatz gibt es vor dem Local „Mutter Lustig“ einen dritten Markt, den Hüttenzauber Weihnachtsmarkt. Mit – wie es der Name vermuten lässt- vielen kleine Hütten, beispielsweise auch vom Tradiotionsfußballverein Union. Wer eine Stadionsbratwurst probieren möchte, geht zur Hütte mit der Aufschrift „Alte Försterei“. Im letzten Jahr war ich allerdings von Wildem sehr begeistert, ob als Bratwurst oder als Pulled Pork beziehungsweise Hirsch im Brötchen.

Und auch musikalisch wird am Dahmeufer einiges geboten. Ob Mini-Disco oder Livemusik.

FRAUENTOG

Beim Hüttenzauber habt ihr übrigens einen tollen Blick vom Steg auf die Hütten am Ufer und natürlich umgedreht aufs Wasser. Ihr erblickt beziehungsweise befindet euch dann direkt am Frauentog.

Und nein, hier fehlt kein „r“ im Wort. Der Sage nach haben die Fischerfrauen im Dreißigjährigen Krieg hier im flachen Gewässer die Netze ausgeworfen. Nachdem ihre Männer sich weigerten dort zu fischen. Es herrschte Hungersnot und die Netze der ansässigen Fischerfamilien blieben in Dahme und Spree leider leer. Zwischen Fischerkiez und Schlossinsel aber machten die Frauen reichen Fischfang. Und daher der heutige Name, denn „Frauentog“ heißt „Frauenzug“.

ALTER FISCHERKIETZ

Wer übrigens Köpenick besucht, sollte neben der Altstadt auch einen Abstecher in die Kietz-Straße machen. Kaum einen Steinwurf von der Altstadt entfernt, taucht man plötzlich in eine andere Welt ein. Mit kleinen idyllischen Fischerhäusern, die Jahrhunderte alt sind. Und sich auch heute noch oft in Familienbesitz befinden. Beim Spaziergang durch den Kietz erlebt man ein einzigartiges Flair.

FEURIGE STIMMUNG

Doch zurück zum Hüttenzauber. Auch dieser kleine Weihnachtsmarkt besticht mit besonderem Ambiente.

Eine Kaminhütte und zahlreiche Feuertonnen sorgen für eine kuschelige Atmosphäre. Dazu laufen Weihnachtsengel auf Stelzen an den Besuchern vorbei und sind ein beliebtes Fotomotiv.

BERLINER WEIHNACHTSMÄRKTE

Ich bin ein wirklich großer Fan von Weihnachtsstimmung und besuche liebend gern die Weihnachtsmärkte in Berlin. Meine liebsten Anlaufstellen sind: der Weihnachtsmarkt vorm Roten Rathaus, der WeihnachtsZauber auf dem Gendarmenmarkt, der Weihnachtsmarkt vorm Charlottenburger Schloss und auch der nostalgische Weihnachtsmarkt am Opernpalais. Letzterer findet aber aufgrund von Bauarbeiten erst wieder 2020 statt.

Wirklich ganz oben auf meiner Liste stehen auch die Köpenicker Weihnachtsmärkte. Natürlich bin ich als Köpenickerin etwas voreingenommen. Und da ich von der Altstadt nur 5 Minuten zu mir nach Hause laufe, sowieso. Doch tatsächlich finde ich die Atmosphäre direkt am Wasser und am Schloss einzigartig und neben den üblichen „Fressbudenangeboten“ gibt es wirklich kulinarische Besonderheiten (übrigens zu allen Köpenicker Stadtfesten – ob Köpenicker Sommer, Winzerfrühling oder Katzengrabenfest).

Da sich meine Pläne für das Wochenende kurzfristig geändert haben und ich in ein ganzes Weihnachtsdorf eingeladen wurde, verpasse ich wahrscheinlich dieses Jahr den Köpenicker Weihnachtsmarkt. Denn der findet leider immer nur an einem Adventswochenende statt. Deshalb empfehle ich allen Berlinbesuchern oder Berlinern, die gerade in der Hauptstadt sind: auf nach Köpenick!

Alle Weihnachtsimpressionen sind von mir übrigens schon im Jahr 2016 aufgenommen und sollen euch etwas auf Köpenick und seinen Weihnachtsglanz einstimmen.

HISTORISCHE ALTSTADT

Und nicht nur die Marktstände und Weihnachtsbühnen sorgen für weihnachtliches Flair. Die historische Altstadt selbst ist weihnachtlich geschmückt und immer einen Besuch wert.

Das gotische Rathaus ist ein tolles Fotomotiv. Draußen wie Drinnen. Mein Tipp hier: schaut euch die kostenlose Ausstellung zum legendären „Hauptmann von Köpenick“ an und betrachtet die Stadtkasse im Rathaus, die er 1906 raubte. Die dicken Stahltüren sind auf jeden Fall beeindruckend. Der falsche Hauptmann steht übrigens als lebensgroße Figur vor den Rathaustreppen. Nicht wundern, Wilhelm Voigt, so der echte Name vom kleinen Schumacher war von der Statur her nicht der Größte.

PROGRAMMINFORMATIONEN

Köpenick, die Weihnachtsinsel 2018

Hüttenzauber Weihnachtsmarkt

ÖFFNUNGSZEITEN

Freitag, 14.12.18, 14 – 21 Uhr I Samstag, 15.12.18, 12 – 21 Uhr I Sonntag, 16.12.18, 12 – 20 Uhr

Vielleicht schaffe ich es noch zum „Swinging Christmas“ Auftritt am Sonntagabend oder kann wenigstens noch einmal kurz über meinen liebsten Weihnachtsmarkt in Berlin schlendern.

Doch keine Angst, ich erlebe an diesem Wochenende auch ganz viel Weihnachtszauber. In einem Weihnachtsdorf, das inmitten eines alten Gutshofes erbaut wurde. Auch hier gibt es verlockende Düfte, viele Gaumenfreuden und eine große Portion Romantik an den vielen Feuerstellen. Ein bisschen fühle ich mich an mein Köpenick erinnert.

In diesem Sinne grüße ich euch vom Pronstorfer Weihnachtsmarkt in Schleswig-Holstein und wünsche euch jetzt aus der Knechtskammer eine gute Nacht.

Eure Rieke

Weihnachtsmarkt auf dem Pfingstberg

Weihnachtsmarkt auf dem Pfingstberg

Potsdam ist für mich die „kleine Schwester“ der großen Hauptstadt, für viele Berliner aber jwd: janz weit draußen. In der Vorweihnachtszeit aber ist die Stadt besonders stimmungsvoll. Sonst schlendere ich immer gern über den Weihnachtsmarkt in der Altstadt oder war auch schon in dem kleinen Weihnachtsdorf auf dem Krongut Bornstedt. Dieses Jahr aber habe ich mir ein „höheres“ Ziel für meine Dosis Weihnachtszauber gesetzt.

Zum zweiten Mal gibt es jetzt auch vorweihnachliche Stimmung im Schloss Belvedere auf dem Pfingstberg. Und der ist  mit 76 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung Potsdams. Und zu allen Jahreszeiten sehenswert.

Neben dem Weihnachtsmarkt, der nur an diesem Adventswochenende statt findet – von 11 bis 19 Uhr – habt ihr nach dem Aufstieg auf den Pfingstberg und dem Meistern der kleinen, engen Wendeltreppen hinauf auf die zwei Schlosstürme einen traumhaften Blick über Potsdam.

Mich begeistert auch immer wieder die Architektur von diesem wunderschönen Gebäude, das einst von der königlichen Familie für Teestunden genutzt wurde. Heute aber könnt ihr dort noch bis 19 Uhr ein anderes Heißgetränk zu euch nehmen. Und wem der Sinn nicht nach Glühwein steht, findet an den vielen kleinen Ständen sicher etwas anderes. Neben den Leckereien gibt es auch tolle Handwerkskunst zu bestaunen. Wer also auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, wird vielleicht hier das Passende finden. Ich konnte mich kaum entscheiden zwischen einer kleinen Keramikvase oder Porzellanschale… und habe mich gestern außerdem durch leckeren Honig aus Berlin und Bratapfel-Likör probiert.

Besonders schön ist es auf dem Weihnachtsmarkt um die blaue Stunde herum. Bisher hatte ich das Schloss nur im Hellen im Frühjahr und im Sommer erlebt, was natürlich zum Fotografieren der vielen kleinen architektonischen Besonderheiten perfekt ist. Aber ein Weihnachtsmarkt ist doch eigentlich erst so richtig stimmungsvoll, wenn es draußen langsam dämmert.

Im Maurischen Kabinett gibt es drinnen – hier ist es auf jeden Fall ein paar grad wärmer –  weihnachtliche Märchen. Aber nicht nur Familien mit kleinen Kindern sollten den wirklich besonderen Weihnachtsmarkt besuchen. Tatsächlich ist der Ort wunderbar für einen Ausflug mit der Familie oder Freunden. Und Romantiker sollten sich eine der kleinen Nischen suchen! Denn die Steinbänke sind nicht nur mit warmen Fellen ausgelegt, über euch schwebt dann zufälligerweise ein Mistelzweig…

Man kommt übrigens nur zu Fuß hinauf zum Belvedere, nicht mit dem Auto. Und für den Weg hinab empfehle ich unbedingt eine Taschenlampe.

Ich wünsche euch einen schönen ersten Advent und eine besinnliche Vorweihnachtszeit. In diesem Sinne, vorweihnachtliche Grüße aus Potsdam!

Eure Rieke

Treptower Wiesen im Wandel – das Sowjetische Ehrenmal

Treptower Wiesen im Wandel – das Sowjetische Ehrenmal

IM WANDEL DER GESCHICHTE

Die Treptower Wiesen sind ein Ausflugsziel mit viel Geschichte. Berliner und Berlinerinnen schlendern heute und flanierten früher durch die weitläufigen Parks und am vier Kilometer langen Uferweg entlang der Spree. Mit dem Hafen der „Weißen Flotte“ als Herzstück. Statt einer Fahrt auf dem Wasser kann man aber auch eine „stürmische“ Landerkundung machen. Denn der Treptower Park hat als Erholungsgebiet nicht nur eine lange Tradition, sondern auch eine revolutionäre Geschichte vorzuweisen. Und die hat in der Vergangenheit große Wellen geschlagen. Als Versammlungsort kämpfender Arbeiter im wilhelminischen Kaiserreich und später als Gedenkstätte mit dem Sowjetischen Ehrenmal, gebaut zwischen 1946 und 1949. Doch die Geschichte reicht viel weiter zurück.

DIE GESCHICHTE DES PARKS

Schon lange bevor Treptow überhaut ein Berliner Stadtbezirk wurde – im Jahr 1920 übrigens – liebten die Berliner diesen beschaulichen Ort im Osten der Stadt. Sonnenbäder auf den Liegewiesen, umgeben von schattigen Alleen, verträumte Spazierwege und natürlich die Nähe zum Wasser machten den Volkspark so beliebt. 1876 wurde er von Gustav Meyer, dem ehemaligen Hofgärtner von Sanssouci, im englischen Stil angelegt. Meyer war ein Schüler Lennés und späterer Gartenbaudirektor von Berlin.

1911 spielte der Park eine nicht unwichtige Rolle in der Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung, die sich auf der „Treptower Spielwiese“ versammelten. 200.000 Berliner, so lese ich in einem alten DDR-Stadtführer „Durch Berlin zu Fuß“ von 1983. Erschienen im VEB Tourist Verlag. Teilweise muss ich schmunzeln beim Durchblättern durch die sozialistische Geschichte und Verklärung selbiger. Aber das Buch gibt trotzdem einen interessanten Bickwinkel auf die Geschichte einer geteilten Stadt. Doch zurück zu den Berlinern, die sich „unter roten Fahnen“ im Treptower Park am 3. September im Jahr 1911 versammelten. August Bebel – einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie – und der Reichstagskandidat Karl Liebknecht werden von den Autoren des DDR Tourist Verlags als „beste Redner“ hervorgehoben, die – ich zitiere – „den kriegslüsternden Kurs der kaiserlichen Regierung verurteilten. Auch in den Revolutionsjahren 1918/1919 und später in der Zeit der Weimarer Republik trafen sich auf den Treptower Wiesen die Arbeiter des Berliner Ostens und zogen in mächtigen Demonstrationszügen in die Innenstadt.“ Zitat Ende.

Eine Zeit des Aufbruchs, des Wandels bricht an. Die Republik steckt in den Kinderschuhen und ist nicht wie jetzt – schon 100 Jahre alt. Alles muss sich neu orientieren und zurecht finden nach dem Ersten Weltkrieg und in einer Zeit ohne den deutschen Kaiser, der abdanken musste und ins holländische Exil nach Doorn geflohen ist. Eine geschichtliche Epoche, die gerade jetzt auch für Film und Fernsehen wieder neu entdeckt und als spannend befunden wird, zum Beispiel in der zurecht hochgelobten Serie „BABYLON BERLIN“. Auch dort finden sich die Figuren zwischen Kaiserliebe, Arbeiterkampf und aufkommendem Nationalsozialismus wieder. Der tragischerweise zum nächsten Krieg und zu den nächsten Kriegsopfern führte. Hier wiederum beginnt die Geschichte des Sowjetischen Ehrenmals.

DAS EHRENMAL – VOM TRUBEL DER SPREE ZUR STILLE

Auch wenn ich den vor mir liegenden sozialistisch durch und durch geprägten Berliner Stadtführer kritisch lese, die Befreiung vom Faschismus – unter anderem mithilfe der Sowjetarmee – ist ein unfassbares Glück. Und der Kampf darum zugleich Unglück für all jene, die ihr Leben dabei lassen mussten. 80.000 sowjetische Soldaten sind bei der Eroberung und Befreiung Berlins im Zweiten Weltkrieg gefallen. Ihnen ein Denkmal zu setzen – egal durch welche Regierung – sie auf diese Weise zu ehren, ist ehrenwert. Natürlich wurden die Gefallenen der Roten Armee weit mehr als nur geehrt, sie wurden vom DDR Regime als „ewige Helden“ verherrlicht.

Das Jahr 1945 ist wieder ein Jahr, in dem die Weichen in und für Deutschland neu gestellt werden. Nach dem Wandel vom Kaiserreich hin zur Republik und danach ins Dritte Reich, wollen die vier Siegermächte das Land erneut verändern. Und diese Veränderung heißt am Ende leider eins: Teilung. Aber glücklicherweise hörte der Wandel mit dieser geschichtlichen Epoche nicht auf…

Wandel ist ein gutes Stichwort. Wenn man wie ich an einem Herbsttag – es ist bereits Ende November –  fast allein durch die imposante Kulisse des Ehrenmals spaziert, fühlt man sich ganz klein. Angesichts dieser gewaltigen Skulpturen und dieses Heldenkults. 10 Hektar groß ist die Anlage und damit das größte Kriegsdenkmal nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Der Ort übt trotz seiner sozialistischen Geschichte eine besondere Faszination auf mich aus.

Das diffuse Licht setzt das Ehrenmal und den Platz geheimnisvoll in Szene als ich morgens durch den Park laufe. Zwei Stunden später kämpft die Sonne sich immer noch zwischen all den Wolkenfeldern hindurch. Es ist kein sonniger Tag, an dem alles erstrahlt oder umhüllt von goldgelbem Licht ist, mit welchem nur der Herbst aufwarten und verzaubern kann. Und doch ist genau diese Lichtstimmung irgendwie passend, passend zu einem Ort des Gedenkens. Es ist nasskalt, die Steinplatten auf den Wegen glänzen vom leichten Nieselregen. Einzig das verbliebene Laub an den Birken ist ein erhellender Blickfang. In dieser eher gedämpften und trotzdem besonderen Stimmung. Der Auslöser meiner Kamera ist fast das einzige, was ich höre. Denn an diesem Ort herrscht – jedenfalls als ich ihn besuche – eine regelrechte Stille. Nur wenige hundert Meter weiter tobt dagegen, vor allem im Sommer, das deutlich lautere Leben am Ufer der Spree.

So ist das Ehrenmal ein idealer Platz um einmal die eigenen Gedanken zu sortieren, das sich verfärbende Herbstlaub zu betrachten und dem Trubel der Großstadt für einen Moment zu entfliehen. Wenn nicht gerade die Bus-Touristen hier Station machen.

SPAZIEREN ZWISCHEN LEBEN UND TOD

Das Areal war nicht nur zu DDR Zeiten ein Touristenmagnet, sondern ist es heute offensichtlich immer noch. Wenn ich manchmal die Puschkinallee entlang fahre, erblicke ich nicht selten ein oder zwei große Busse vor dem Eingangstor. Die hier vor Jahrzehnten an genau dem selben Ort gestanden haben müssen.

Acht Jahre war ich alt als die Mauer fiel. Aber auch wenn ich die DDR als Kind kennengelernt habe, am Sowjetischen Ehrenmal war ich noch nie zuvor. Nicht mit der Schule – dafür war ich noch zu jung – und schon gar nicht mit meiner Familie. Wir spazierten lieber durch den Tierpark in Friedrichsfelde oder mit Oma und Opa durch die Königsheide. Sozialistische Orte wie das Ehrenmal hat meine Familie bewusst gemieden. Weil hier eben nicht nur der Opfer gedacht wurde, sondern sich gleichzeitig eine nicht zu übersehende Ideologie zeigte. Der Besuch des Denkmals aber war tatsächlich für viele Schüler der DDR ein Pflichtprogramm. Wie mir mein Papa erzählt, ging es mit dem „Klassenkollektiv“ an Wandertagen nicht nur in den Treptower Park, sondern hin zum Sowjetischen Ehrenmal. Ein Ort, den er selbst nie gern besucht hat und deshalb waren wir wohl auch mit der Familie nicht zum Spazieren dort.

Ich erlebe das Ehrenmal also zum allerersten mal. So erfahre ich auch, dass zwischen all den monumental großen Bauten nicht nur die Gefallenen geehrt werden, sondern auch 7.000 Soldaten der Sowjetarmee an diesem Ehrenmal ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Verehrt als „ewige Helden“. Ich spaziere bei meinem Ausflug nicht nur durch ein Stück Geschichte des Treptower Parks, sondern durch einen Friedhof hindurch. Einen Soldatenfriedhof.

Es war übrigens Wilhelm Piek, der erste und einzige Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, der – ich zitiere wieder aus dem Berliner DDR-Stadtführer von 1983 – „den sowjetischen Genossen vorschlug, als Standort den traditionsreichen Treptower Park auszuwählen. In dreijähriger Arbeit von 1.200 Mitarbeitern, darunter 200 Steinmetze und 90 Bildhauer, wurde das Denkmal am „Tag der Befreiung“, dem 8. Mai, im Jahre 1949 eingeweiht. Als Baumaterial diente vor allem schwedischer Granit, den die Naziführung in der Absicht angekauft hatte, daraus als faschistisches Siegeszeichen einen Triumphbogen in Moskau zu errichten.“

Und eben jener Granit überdauert inzwischen die Jahrzehnte im Treptower Park. Einst große Spiel- und Sportwiese, heute – noch immer – Ehrenmal und Soldatenfriedhof. Gefallen sind aber nicht nur Soldaten, sondern zerfallen sind 1989 auch die DDR und zwei Jahre später die Sowjetunion. Erinnern darf und sollte man an die Befreier von einst trotzdem. Außerdem ist die Gedenkstätte mit seinem überhöhtem Heldenkult ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Parks. Und durch eben jene zu spazieren, lohnt. Hinschauen, inne halten, sich bewusst machen, welchen Preis Frieden hat und hatte.

Daneben zeigt sich die Schönheit der Natur in einer steinernden – teils schon dramatischen – Kulisse. Und die ist zu dieser Jahreszeit wie ich finde besonders schön.

FOTOGRAFISCHER RUNDGANG

Entlang der breiten Promenade zeigt sich das Herbstlaub von seiner schönsten Seite. Von Birken gesäumt ist der Weg einmalig schön. Selbst an nass-kalten Tagen.

 

Zwei riesige gesenkte Fahnen – 14 mal 25 Meter – aus rotem Granit bilden das steinerne Eingangsportal. Davor zwei kniende Soldaten  aus Bronze.

 

Die sechzehn Sarkophage aus Kalkstein sind ein symbolisches Gräberfeld. Sie zeigen auf ihrer Oberfläche reliefartig Szenen der Kriegsjahre bis 1945.

 

Ein künstlich angelegter Grabhügel ist Mittelpunkt des Ehrenmals. Auf seinem Gipfel thront ein Mausoleum, in dem sich das Ehrenbuch mit den Namen aller hier beigesetzten Soldaten befindet. Und darüber – unübersehbar, elf Meter groß – die Figur des friedenbringenden Soldaten. Der mit seinem Schwert das Hakenkreuz zerstört und gleichzeitig ein Kind schützend in seinen Armen hält. Vom Boden bis zur Spitze sind es stolze 30 Meter.

 

Am Ende bin ich wieder am Anfang. Und stehe vor den Fahnen aus Granit. Hier auf der Plattform habe ich einen besonderen Blick. Der auf der einen Seite bis zum Hauptmonument – dem Mausoleumshügel – reicht.

 

Ich drehe mich um und blicke auf die vom Herbst gezeichnete Birkenallee. Im Hintergrund  ist die Frauenstatue „Mutter Heimat“ zu erkennen, die um „ihre gefallenen Söhne“ trauert.

FAZIT

Ich habe meinen Rundgang, meinen Spaziergang beendet. Vorbei an all den „Sehenswürdigkeiten“. Sie so zu nennen, ist etwas befremdlich. Genauso wie die Tafeln, welche neben der Geschichte zum Bau, auch Massenveranstaltungen der DDR mit Kranzniederlegungen zum Inhalt haben. An bestimmten Feiertagen muss der Platz ein einziges Blumenmeer gewesen sein, mit Delegationen Berliner Betriebe und natürlich der Partei- und Staatsführung.

Orte wie das Sowjetische Ehrenmal gehören – heute wie früher – zum Berliner Stadtbild dazu. Zu der Geschichte eines geteilten Landes, einer geteilten Stadt. Die Deutsche Wiedervereinigung ist erst wenige Jahrzehnte alt. Und als sie verhandelt wurde, ging es damals auch um die Zukunft der sowjetischen Ehrendenkmäler – unter anderem das im Treptower Park. Sie waren ein wichtiger Verhandlungspunkt der russischen Seite. Die Bundesrepublik verpflichtete sich dauerhaft für sie zu sorgen. Das war 1992. Als zwei Jahre später die russischen Truppen aus Deutschland abzogen, fand die militärische Zeremonie im Treptower Park statt. Hier am Sowjetischen Ehrenmal verabschiedeten sie sich von der Stadt, in der sie Jahrzehnte als Besatzer und Befreier von einst stationiert waren.

Ich bin froh, dass die Geschichte 1989 wieder im Wandel war und erneut eine andere Wendung genommen hat. So leben wir heute in einer wiedervereinten Stadt, in einem wiedervereinten Land.

„HERBSTLICHES“ …

So ist alles im Wandel – im Wandel der Geschichte und im Wandel der Jahreszeiten. Der Herbst zeigt uns das wie keine andere Jahreszeit. Und jetzt im Oktober, wenn die Bäume noch ihr Laub haben, sieht es besonders schön aus. Meine liebste Jahreszeit ist – ich muss es aber zugeben – der Sommer. Ich liebe laue Sommerabende und warme Temperaturen. Mit Kälte und Dunkelheit – die unweigerlich mit der trüben Jahreszeit einhergehen – kann ich mich deshalb nur schwer anfreunden. Einzig das „Zusammenrücken und das gefühlt intensivere Miteinander“ in den eigenen vier Wänden mag ich an Herbst- und Winterabenden. Nach ausgedehnten Spaziergängen, im Idealfall mit der Herbstsonne im Gesicht und der Sonnenbrille auf der Nase, anschließend nach Hause zu kommen und den Kamin anzumachen, das ist für mich ein weiteres wunderschönes Erlebnis. Was tatsächlich erst so richtig Spaß macht, wenn man etwas, aber noch nicht ganz durchgefroren wieder nach drinnen kommt.

Also liebe Berlin-Entdecker: ab nach draußen. Denn diese einmalige Naturkulisse im Spätherbst mit all ihren goldenen Farben hat ein ganz eigenes Flair. Kastanien, Eicheln, Blätter in den schönsten Herbstfarben, aber auch die letzten Blumen des Sommergartens – all das ist für mich außerdem ein reicher Fundus, um sich die Zeit in der Wohnung stilvoll zu verschönern. Und bei einem Herbstspaziergang lassen sich einige Herbstdekorationen zum Nulltarif sammeln…

In diesem Sinne – trotz aufkommendem Herbstblues bei dem ein oder anderen – viel Freude und Energie für die dunklere Jahreszeit, die meist auch für uns und nicht nur für die Natur einen Wandel bereit hält.

Herbstliche Grüße, eure Rieke


Treptower Park – Sowjetisches Ehrenmal (zwischen Puschkinallee im Norden und der Straße Am Treptower Park im Süden) I Puschkinallee, 12435  Berlin I weitere Informationen auf www.berlin.de 

Olympiastadion Berlin I Teil 1

Olympiastadion Berlin I Teil 1

Licht und Schatten – Geschichte hautnah erleben

Das der Besuch vom Olympiastadion eine Art Untergrundführung wird, hat mich überrascht. Ich kannte das Berliner Stadion zwar schon von einem Konzertbesuch, doch seine geheimsten Winkel im Inneren hatte ich bisher noch nicht erkundet. 17,4 Meter geht es beispielsweise hinab ins unterirdische Atrium. Ein kleiner „Abstieg“. Und mit jedem Schritt in die Tiefe sinken die Temperaturen. Das ist – gerade an heißen Tagen – besonders angenehm. Wer eine Stadion-Tour mitmacht erlebt aber nicht nur eine erfrischende Abkühlung unter der Erde, sondern darf dabei einen Blick hinter die Kulissen eines Fünf-Sterne-Stadions werfen. Mit besonders viel Liebe und Leidenschaft wird von den Tourguides dabei ein Stück Berliner und natürlich auch ein Stück Deutscher Geschichte vermittelt und erlebbar gemacht. Schließlich ist das Stadion für die Olympischen Sommerspiele 1936 gebaut worden. Der Geist der Vergangenheit ist in fast jedem Winkel zu spüren, aber genauso auch der Blick in die Zukunft.

Für technikbegeisterte Besucher, die keine Angst vor schwindelerregender Höhe haben, geht es sogar bis ganz nach oben. Zu sehen ist das Stadion dann aus der Vogelperspektive. Denn seit Juni gibt es öffentlich geführte Techniktouren, die euch auf das Zwischendach hinauf oder in den Medientunnel hinunter bringen. Ein wirkliches Highlight! Dazu später mehr im zweiten Teil „Auf- und Abstiege – neue Technik-Tour & Herthas Auszugspläne“.


SAISONERÖFFNUNG

Mein „Date“ mit dem Olympiastadion Berlin liegt schon etwas zurück. Es ist Anfang April. Die Hauptsaison geht gerade los, mit längeren Öffnungszeiten von 9 bis 19 Uhr. Vereinzelt stehen Sonnenliegen auf dem satten Grün. Allerdings nur zur Saisoneröffnung und natürlich vor dem Stadion, nicht auf dem heiligen Rasen! Dort ist das Betreten strengstens verboten. Schließlich ist der grüne Teppich stattliche 200.000 Euro wert. Einmal im Jahr wird er ausgetauscht und komplett erneuert. Was hier liegt ist natürlich kein normales Grün. Mit dem DFB als Partner gibt es besonders hohe Ansprüche. Und außer Fußballstars und Greenkeeper-Team – verantwortlich für die Rasenpflege – darf keiner rauf. Anfang April aber kommen Besucher dem gut gepflegten Grün trotzdem ein kleines Stückchen näher als sonst. Dann darf man einen Teil der blau-weißen Laufbahn betreten. Frau (also ich) sogar mit 8 Zentimerter-Absätzen. In gemütlichem Schritt-Tempo versteht sich. Schließlich möchte ich den Blick in diese gigantische Kulisse genießen und keinen neuen Weltrekord laufen. Den hat Usain Bolt – noch immer der schnellste Mann der Welt – auf Bahn Nummer Vier aufgestellt. Mit 9,58 Sekunden und einem Spitzentempo von 44,72 – km/h. Wie gesagt, ich bin etwas langsamer unterwegs… Und erkunde zum Fotografieren schon mal das Stadion, bevor unsere Führung losgeht.

UNBEKANNTE ECKEN IM OLYMPIASTADION BERLIN

Später aber kann ich – passend zu meinem „Lauf“ auf der Stadionbahn – noch die unterirdische Aufwärmhalle mit der 120 Meter langen Trainingslaufbahn bewundern. Übrigens einer der Orte, die man nur bei einer geführten Tour zu sehen bekommt. Hier wärmte sich der Sprint-Star am Abend vom 16. August 2009 auf. Abgeschirmt von Publikum und Presse. Selbige ist heute oft in diesem Raum anzutreffen, denn in der ursprünglich geplanten Sporthalle finden inzwischen die großen Pressekonferenzen statt.

Und an noch einen besonderen Ort geht es in der Highlight-Tour, die ich mitmache. Dann heißt es: Platz nehmen im gepolsterten VIP Sessel auf der Haupttribüne. Dort, wo man als Normalsterblicher eher selten hinkommt und heute Größen aus Sport und Politik sitzen. Hier befinden sich – auf vier Ebenen verteilt – die besten Plätze vom Stadion. Ein wirklich unglaublicher Blick bietet sich mir, hinein in einen fast menschenleeren Innenraum. Bilder der Fußball-Weltmeisterschaft von 2006 kommen mir in den Kopf, mit jubelnden Massen und einem voll besetzten Olympiastadion.

Ursprünglich für 100.000 Menschen gebaut, hat das Stadion heute Platz für knapp 75.000. Und ist damit drittgrößtes Fußballstadion in Deutschland. Übrigens sind die damals günstigsten Plätze heute die teuersten. Auch das erfahre ich vom Tourguide. Wo sich einst die Menschen auf Stehplätzen – dicht an dicht aneinander drängten – ist nun hinter Glas jede Menge Platz. In den luxuriösen VIP-Logen.

VERGANGENHEIT & ERSTER STADIONBAU

Doch zurück zur Ehrentribüne. Dort sitzt unsere Besuchergruppe und erfährt von unserem Guide viel über das Stadion und seine Anfänge. Ein Highlight – auch wenn das fast schon makaber klingt – ist sicher die ehemalige Führerloge. Hier saß 1936 der mächtigste Mann Deutschlands. Der drei Meter Balkon auf dem Hitler einst Platz nahm, wurde aber auf Befehl der britischen Militärverwaltung nach Kriegsende zurück gebaut. Um dem Nazi-Kult entschieden entgegen zu wirken. Und den Ort, an dem sich der Diktator feiern ließ, für immer zu zerstören. In der Führung tauchen natürlich Fragen zu dieser Epoche auf. Und Fragen stellen ist wichtig. Sich bewusst machen wie und mit welchem Zweck dieser denkmalgeschütze Bau entstanden ist, wer hier gesessen und gejubelt hat. So ist es mit geschichtsträchtigen Bauten. Sie sind Teil dieser Stadt, gehören zur Stadtgeschichte. Und im Fall vom Berliner Olympiastadion sind sie auch Teil der Geschichte Deutschlands. Genau Hinschauen – nur so findet Aufarbeitung und Auseinandersetzung statt. Und das gelingt den Guides im Stadion wirklich auf eine ganz besondere Weise.

Und ja, das Olympiastadion hat eine dunkle Vergangenheit. Eine ganz eigene „Biografie“. Gebaut wurde es zwischen 1934 und 1936 für die Olympischen Sommerspiele. Auch wenn die Bewerbung dafür noch in die Zeit der Weimarer Republik fiel, die Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 änderte alles. Die Symbole der NS-Zeit sind auch heute noch präsent und deutlich sichtbar. Etwa auf der Olympiaglocke. Am unteren Rand – neben dem Schriftzug Berlin – befindet sich beispielsweise ein Hakenkreuz. Durch das Symbol und das Datum 1.-16. August zieht sich ein großer Riss. Die Rückseite ziert das Brandenburger Tor und vorn auf der Glocke hat der Reichsadler die olympischen Ringe fest in seinen Fängen. Darunter ist zu lesen: „Ich rufe die Jugend der Welt.“ Ursprünglich befand sich der Stahl-Gigant im Glockenturm und läutete von dort die Spiele am ersten Tag feierlich ein. Vom Krieg stark beschädigt, wurde er aber gesprengt. Inzwischen ist der 77 Meter hohe Turm wieder aufgebaut und bequem mit einem Fahrstuhl zu erreichen. Die Glocke mit Hakenkreuz, Reichsadler und Projektil-Durchschuss aber sucht man dort vergebens. Sie steht als Denkmal vor dem Südtor und symbolisiert gleichermaßen Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus.

Das Gelände aber hat sogar eine Geschichte, die noch weiter zurück reicht. Bis in die Kaiserzeit. Ich wusste beispielsweise nicht, dass Berlin bereits 1912 als Austragungsort für die Olympischen Spiele bestimmt war. Architekt Otto March wurde für das olympische Bauvorhaben beauftragt. Und pünktlich zum 25-jährigen Thronjubiläum von Kaiser Wilhelm II. eröffnete das Deutsche Stadion – der Vorgängerbau – im Jahr 1913. Es bot 30.000 Menschen Platz. Der Erste Weltkrieg aber verhinderte, dass die Olympischen Spiele 1916 überhaupt statt fanden. Zwanzig Jahre später dann ein erneuter Versuch für Berlin. Dafür musste Deutschlands erster Stadiongroßbau allerdings weichen. Das inzwischen zu kleine Deutsche Stadion wurde 1934 schließlich abgerissen. Und Werner March, der als Architekt in die Fußstapfen seines Vaters trat, baute nun an gleicher Stelle. Noch größer, noch monumentaler. Das Berliner Olympiastadion.

BAU NACH ANTIKEM VORBILD

Sichtachsen spielten bei der Planung und beim Bau eine große Rolle. Preußen- und Bayernturm – verbunden durch die Olympischen Ringe – führen vom Haupteingang direkt zum Stadion. Und das wirkt mehr als imposant, ist es doch nach römischem Vorbild vom Kolosseum erbaut.

Wie im alten Rom fühle ich mich zwar nicht, aber dennoch in eine andere Zeit versetzt. Sogar die Strahler wirken antik, fast wie kleine Fackeln, was das Heroische der Architektur noch deutlicher unterstreicht. Mit einem wechselvollen Spiel von Licht und Schatten. Das Olympiastadion ist soviel mehr als „nur“ eine Sportstätte. Es ist ein architektonisches Wahrzeichen von Berlin, das man nicht nur von sportlichen oder musikalischen Großveranstaltungen kennen sollte. Sondern als Sehenswürdigkeit dieser Stadt gesehen haben muss. Denn der Kolos aus fränkischem Muschelkalk hat neben seinen dunklen Schattenseiten, auch viele glanzvolle Momente erlebt.

MARATHONPLATEAU MIT EHRENTAFELN & FEUERSCHALE

Steht man auf dem Marathonplateau hat man einen unvergleichlichen Blick in das Stadion hinein. Hier finden sich aber auch „Zeitzeugen“ der Geschichte. Beispielsweise die Ehrentafeln der Sieger von 1936. Kurz vor ihrem Konzertbeginn haben auch Beyoncé und Jay-Z in diesem Jahr davor gestanden. Um Jesse Owens zu ehren, der mit vier Goldmedaillen damals erfolgreichster Spieler wurde. Ein Leichtathlet mit afroamerikanischen Wurzeln. Das passte natürlich nicht ins Konzept der Propaganda-Spiele.

Nur weniger Meter von den Gedenktafeln entfernt, steht die überdimensional große Feuerschale für das Olympische Feuer. Die Flamme wurde 1936 übrigens zum ersten mal in der Geschichte der Spiele aus dem griechischen Olympia in die austragende Stadt gebracht. Ins 3000 Kilometer entfernte Berlin. Und seitdem gibt es den Olympischen Fackellauf. Erfunden vom Berliner Organisationskomitee!

Eine weitere Premiere feierten die Olympischen Spiele damals. Sie wurden groß im Radio und Fernsehen inszeniert und als erste Großsportveranstaltung live im Fernsehen übertragen. Man erreichte Millionen, nicht nur im deutschen Reich. Faszination für die Massen. Man wollte der Welt ein  friedliches und offenes Deutschland zeigen und sich gleichzeitig als Großmacht präsentieren. Die nationalsozialistische Architektur des Olympiastadions tat ihr übriges dazu.

MAIFELD

Durch das offene Marathon-Tor hindurch wird der Blick auf das Maifeld und den dahinter liegenden Glockenturm gelenkt. Die Lücke gibt es nicht ohne Grund, denn hier fanden zur NS-Zeit große Aufmärsche statt. Mit dem Neubau vom Flughafen auf dem Tempelhofer Feld verschwand nämlich der dortige Paradeplatz aus der Kaiserzeit. Nun hatte man eine neue Kulisse für große Propaganda-Veranstaltungen gefunden. Zu den Olympischen Spielen war das Feld aber natürlich auch Wettkampfplatz für einige Sportarten, Polo zum Beispiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte hier übrigens auch das Britische Militär regelmäßig den bei den Briten so beliebten Sport, bis zum Truppenabzug 1994. In dieser Zeit war das Areal allerdings streng bewachtes Militärsperrgebiet, mit britischem Hauptquartier. Einmal jährlich fand dann auch wieder eine Parade statt. Zu Ehren der Queen und ihrem Geburtstag. Mehrmals war die Monarchin selbst anwesend und verlieh dem Ort so königlichen Glanz.

EVENTS ERLEBEN – BEWÄHRUNGSPROBE FÜR DEN RASEN

Heute kann man auf dem Maifeld statt Militär- oder Geburtstagsparaden große Feuerwerkskunst bestaunen, wenn die weltweit besten Pyrotechniker ein Sternenmeer am Himmel entfachen. Dann ist die Pyronale mal wieder zu Gast und sorgt für neue, spektakuläre Glanzmomente.

Ein Dauergast im Stadion ist natürlich auch Hertha BSC. Das Olympiastadion ist – zumindest bis zum Jahr 2025 – Heimspielstätte vom Bundesligisten. Viele Besucher verbinden dadurch das Stadion natürlich in erster Linie mit Fußball, auch das DFB-Pokalfinale wird hier ausgetragen. Und das schon seit 1985. Es ist Höhepunkt und gleichzeitig Ende der laufenden Fußballsaison. Auch ISTAF oder Leichtathletik-EM gehören als Sportereignis fest zum Terminkalender. Doch nicht nur der Sport spielt eine große Rolle. Für Fußballfreunde ist die Sommerpause die wohl schlimmste Zeit. Dann aber starten die großen Events der Musikbranche im Stadion. Wenn die Fußballsaison pausiert, geht die Konzert- und Open Air Saison erst so richtig los. Auf den Rängen und auch im Innenraum. Doch wie verkraftet es der Rasen, wenn 25.000 Menschen auf ihm stehen? Laufbahn und Rasen im sogenannten Infield werden dann mit speziellen Abdeckplatten bestückt. So ist das heilige Grün bestens geschützt. Die luftdurchlässigen Kunststoffmatten werden übrigens erst kurz vor den Veranstaltungen verlegt und danach direkt wieder entfernt, damit sich der Rasen schnell erholen und aufrichten kann. Was zu sehr in Mitleidenschaft geraten ist, wird natürlich ausgetauscht und mit neuen Stücken versehen. Denn das Infield mit seinem Rasen ist heilig! Klar, dass es da ein paar Regeln beziehungsweise Verbote gibt…

Große Musik-Events mit Auftritten von Guns N‘ Roses, der Stones, von Beyoncé und Jay-Z, Helene Fischer oder Ed Sheeran gab es 2018. Und im September macht das Lollapalooza Berlin – Deutschlands größtes Musik-Festival – erstmals auf dem Open-Air Gelände Station. Das ehemalige Reichssportfeld und heutige Olympiagelände wartet also mit vielen neuen Erlebnissen und Veranstaltungen auf. Von der Vergangenheit gelöst, ohne sie aber zu vergessen. Das wird auch in den Führungen mehr als deutlich. Ich selbst kannte das Stadion bisher nur von einem Madonna-Konzert. Das aber ist inzwischen auch schon wieder zehn Jahre her. Bei der Stadionführung erfahre ich sogar noch eine kleine Anekdote über die Popdiva und andere Musikgrößen. Doch diese wohl gehüteten Geheimnisse werden erst tief unter der Erde verraten. In den Künstler- und Umkleidekabinen.

ABGETAUCHT IN DIE UNTERWELT VOM STADION

Bis zur Hälfte ist der geschichtsträchtige Bau in die Erde gebaut. 17,4 Meter an seinem tiefsten Punkt. Genau dorthin führt uns der Guide. Und wir gehen exakt den Weg, den auch die ganz großen Fußballer bei ihren Spielen nehmen.

Über den Spieleraufgang, vorbei an zahlreichen Trikots, die an den Wänden hängen, geht es zu den Spielerkabinen inklusive Mannschaftsduschen und großem Whirlpool. Der aber ist nicht gefüllt. Blitzblank sieht es hier aus. Doch das ist wohl nicht immer so. Es soll schon mal vorkommen, dass am Tag nach einem Spiel, der Putz-Trupp noch nicht da war. Unser Tourguide muss es wissen. Und dann gibt es für die Besucher während der Führung eine kleine Ahnung vom Ausmaß der Siegesfeier oder eben von der Niederlage. Vielleicht bekommt man sogar etwas Persönliches der Fußballstars in die Hände, meint zumindest unser Guide… Ob es am Ende nur eine verschwitze Socke oder gar ein Trikot ist, ausprobieren würde ich sagen! Und den Besuch im Olympiastadion mal gezielt mit dem Spielplan abstimmen.Hier unten aber halten sich nicht nur Fußballspieler auf, auch so manche Künstler. Die kargen Mannschaftsräume – insgesamt gibt es sechs Umkleidekabinen – sind nach dem Umstyling allerdings kaum wieder zu erkennen. Nicht so bei Bruce Springsteen, wie ich erfahre. Er wollte in den Räumen weder exotische Palme noch gemütliche Couchlandschaft. Oder gar eigenen Fitness-Raum wie Madonna. Schlicht und simple sollte es sein. Als Coldplay dann auf Stadiontour im Olympiastadion waren, wollten sie es in ihrer Künstlergarderobe exakt so, wie es auch der „Boss“ ein paar Tage vor ihnen hatte. Als sie alles unverändert vorfanden, sollen sie etwas erstaunt gewesen sein. So manche Künstler haben aber auch sehr besondere Wünsche. Und nicht immer sind die so einfach zu erfüllen. Keith Richards – Gitarrist der Rolling Stones – hat 2006 in seine Künstlergarderobe einen Pooltisch bringen lassen. Ein echter Kraftakt, denn die Zugänge zum Sportlereingang sind eher schmal. Wie bei einer normalen Haustür. Irgendwie geklappt haben muss es am Ende aber doch, nur soll die Rocklegende den Billardqueue nicht ein mal in die Hand genommen haben. Ob Richards diesen außergewöhnlichen Wunsch 2018 erneut äußerte, wer weiß. Diese und andere nette Anekdoten gibt es zu hören, wenn man eine der Führungen mitmacht. Dann gelangt man auch ins Atrium. Dort finden Aftershow-Parties statt und die Spieler feiern sich und ihre Siege.

Über vier Stockwerke hinauf – alle unterirdisch – erstreckt sich der gesamte VIP-Bereich, in dem bis zu 1.700 Menschen Platz haben. Ja, unsere Gruppe wirkt etwas verloren in diesen riesigen Hallen. Vorbei geht es dann an der Players Lounge und wir nehmen Kurs auf einen deutlich kleineren Raum.

STADIONKAPELLE

Nur ein paar Meter entfernt befindet sich die eigene Stadionkapelle, deren Wände mit Blattgold verziert sind. Und die man deshalb nicht berühren darf. Zu empfindlich ist die hauchdünne Schicht. Nach der Fußballweltmeisterschaft aber brauchte die Kapelle einen neuen Anstrich oder vielmehr Auftrag. Denn Blattgold wird wirklich Blatt für Blatt mit einem Pinsel und von Hand an die Wand gebracht. Ja, da haben sich 2006 wohl ein paar Fußballer zuviel mit ihrem Kuss am goldenen Kreuz verewigt. Geküsst wurde hier übrigens auch schon beim Eheversprechen beziehungsweise bei einem Heiratsantrag, den es in der Kapelle einmal gab. Eine Kapelle – tief unter der Erde. Und hier wird auch unsere Gruppe ganz still. Alle sitzen auf den schweren dunklen Steinhockern und halten Inne. Das Läuten der Glocken kommt übrigens vom Band. Aber immerhin – die Tonbandaufnahme wurde in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufgenommen.

GEHEIM-TIPP: AB INS KÜHLE NASS

Ich bekomme zwar weder Heiratsantrag noch Kuss, aber dafür später einen kleinen Geheim-Tipp von unserem Guide. Verabschiedet werden wir am Marathonplateau. Und von hier ist der Weg zum Schwimmbad nicht weit. Das Bad hinter dem Stadion kannte ich noch nicht. Aber wie in jedem Freibad der Berliner Bäderbetriebe kann man an schönen Sommertagen schwimmen. Im 50 Meter-Becken, natürlich mit olympischen Maßen. Und bei so einer Kulisse – mit dem Olympiastadion vor Augen – sollte man seine Bahnen auch mal ohne Schwimmbrille ziehen. Und die Aussicht genießen.

FAZIT

Nach über zwei Stunden auf meinen 8 Zentimeter-Absätzen, muss auch ich einmal ausruhen. Eine der Sonnenliegen ist gerade frei geworden. Soviel Geschichte denke ich, während ich fleißig Sommersprossen sammle. So viele außergewöhnliche Ereignisse, die hier statt fanden und so viele Fotos, die ich geschossen habe. Als ich dann auf dem großen Parkplatz ein letztes Foto mache – es wird später das Titelbild – habe ich einen Gedanken: hoffentlich darf das Olympiastadion seinen wunderschönen Namen behalten. Und wird nicht irgendwann nach einem zahlungskräftigen Hauptsponsor von Hertha BSC umbenannt. Denn natürlich waren auch die Schlagzeilen um den geplanten Umbau vom Olympiastadion oder einen Stadionneubau für den Bundesligisten Thema in der Führung.

Am Ende meines Besuchs aber verdränge ich den Gedanken daran und bin einfach nur überwältigt. Von diesem architektonisch einmaligem Denkmal, das so viel Geschichte und Geschichten in sich vereint. Hoffentlich habe ich euch Lust gemacht, diesen besonderen und zu großen Teilen unterirdischen Ort einmal zu besuchen. Der bei sonnigem Wetter – zwischen Licht und Schatten – wirklich einzigartige Fotomotive bietet.


FÜHRUNGEN & BESUCHSMÖGLICHKEITEN

Auf eigene Faust: Ihr könnt euch kostenlos die Olympiastadion Berlin App auf das Handy laden und werdet dann durch das Gelände navigiert und mit vielen Informationen versorgt. Alternativ kann man das Gelände mit einem Multimedia Guide erkunden, den ihr im Besucherzentrum ausleiht.

Besichtigung: 8 Euro I Multimedia Guide: 2 Euro

Im Rahmen von geführten Touren: Hier wird Geschichte wirklich lebendig präsentiert! Und ihr kommt natürlich in Bereiche, die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt sind. Außerdem erfahrt ihr jede Menge über die einzigartige Sport- und Architekturgeschichte dieses Ortes, profitiert also von dem Insiderwissen der Guides. Ich habe übrigens die Highlight-Tour mitgemacht. Daneben gibt es noch die Premium-Tour, bei der ihr zusammen mit dem Guide on top das umliegende Olympiagelände erkundet. Hertha-Fans kommen bei einer Führung über das Vereinsgelände von Hertha BSC auf ihre Kosten. Und seit dem 10. Juni 2018 gibt es öffentlich geführte Technik-Touren. Bei allen Führungen ist der Eintritt auf das Gelände inbegriffen.

Führungen: Highlight-Tour 11 Euro I Premium-Tour 13 Euro I Hertha BSC-Tour 12 Euro I Technik-Tour 25 Euro

Ob nun auf eigene Faust oder im Rahmen einer Führung, los beziehungsweise in das Olympiastadion geht es vom Besucherzentum aus. Und natürlich kommt man nur an veranstaltungsfreien Tagen auf das Gelände.

Besucherzentrum am Osttor I Olympischer Platz 3, 14053 Berlin I www.olympiastadion.berlin

„Astronomischer Sommernachtstraum“

„Astronomischer Sommernachtstraum“

Heute am 27. Juli  lohnt ein Blick hoch zum hoffentlich wolkenfreien Nachthimmel. Nicht nur in Berlin, sondern deutschlandweit. Denn es gibt gleich zwei astronomische Ereignisse. Die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Star der Nacht ist aber zweifelsohne Mars. „Nur“ knapp 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist uns der rote Planet so nah wie selten. Und dank dieses „Minimalabstands“ besonders groß und hell zu sehen. Die ganze Nacht über. In einem Teleskop kann man sogar Details seiner Oberfläche erkennen. Da lohnt der Besuch einer Sternwarte!

Zum Beispiel die Archenhold-Sternwarte in Berlin. Sie ist die älteste und größte Volkssternwarte Deutschlands. 1896 gegründet. Heute findet die LANGE NACHT DER ASTRONOMIE statt. Mit freiem Eintritt. Los geht es um 17 Uhr.

Sonnenuntergang in Berlin ist übrigens um 21:07 Uhr. Gegen 21:30 Uhr beginnt dann die totale Phase der Mondfinsternis. Für eine Stunde und 43 Minuten taucht der Blutmond  vollständig in den Erdschatten ein. Hoffentlich blicken wir dann alle in einen klaren Sternenhimmel. Und nicht in einen Himmel voller Wolken wie auf diesem Bild. Das ich übrigens vom Dach des UNIVERSAL Gebäudes gemacht habe. Den Mix aus Wolken und Sonnenstrahlen – mit Berliner Fernsehturm am Horizont – finde ich aber auch sehr spannend.

In diesem Sinne: wünsche ich euch eine ganz besondere Nacht und ganz besondere Ausblicke.


Archenhold-Sternwarte I Alt-Treptow 1, 12435 Berlin I www.planetarium.berlin

 

 

 

 

Sundowner auf dem Tempelhofer Feld

Sundowner auf dem Tempelhofer Feld

When the sun goes down…

Ein Mix aus Asphalt, Feld und Wiese. Mitten in der Stadt. 368 Hektar groß. Das Tempelhofer Feld ist wirklich eine einzigartige Kulisse!

Sich am späten Nachmittag – mit Picknickdecke bewaffnet – hinein ins Feld legen, sonnengereifte Erdbeeren mit prickelndem Rosé genießen und auf dem ehemaligen Rollfeld einfach los spazieren. Neben Fahrradfahrern, Joggern und Skatern. Und begleitet von unzähligen Drachen, die am Himmel schweben… Abends kann man dann den Sonnenuntergang erleben. Denn in den Sommermonaten ist bis 22:30 Uhr geöffnet.

Einst Paradeplatz, dann Flughafen und heute wieder Picknickwiese… Zurück zu den Anfängen also, denn schon früher zog es die Berliner auf das Tempelhofer Feld. Wenn am Wochenende das Militär den Exerzierplatz räumte. 2008 kam dann die Schließung von Tempelhof als Flughafen. Auch das ehemalige Flughafengebäude ist spannend! Ein Thema der Führungen ist beispielsweise die berühmte „Luftbrücke“.


Wie ihr zum Tempelhofer Feld gelangt, wann geöffnet ist und Informationen zu Führungen im ehemaligen Flughafengebäude findet ihr unter www.thf-berlin.de.

Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Kleiner Nachtrag… Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt

Nun habe ich die Classic Open Air von beiden Seiten erlebt. Inmitten der unglaublichen Kulisse und als Zaungast dahinter. Und muss sagen, jeder Blickwinkel war ein Erlebnis. Aber trotzdem bin ich auf die TV-Ausstrahlung vom Eröffnungskonzert gespannt, denn natürlich bekommt man „draußen“ nicht jeden Ton mit, der auf der Bühne vor dem Konzerthaus gespielt wird.

NICHT FEHLEN DÜRFEN…

Bei unserer Ankunft war ich wirklich überrascht. So viele Menschen vor dem Platz, vor der Umzäunung. Bis zu 1000 sollen es pro Abend gewesen sein. Auf der Strasse, in umliegenden Häusern, aus Fenstern oder von Dächern zuschauend. Das Konzerterlebnis vor den Toren des Festivals wird beim (nicht zahlenden) Publikum regelrecht zelebriert. Da gibt es nicht nur mitgebrachte Campingstühle, sondern aufgebaute Tische, liebevoll mit Blumen dekoriert. Wein und Sekt stehen bei so mancher Gruppe stilvoll im Kühler und die kleinen Snacks trotzen sommerlichen Temperaturen, denn sie werden ebenfalls gekühlt. Im nächsten Jahr kommen wir auch mit Kühltasche und Tisch im Gepäck wieder. Da sind wir uns schnell einig.

DER BESTE PLATZ ALS ZAUNGAST

Die Ecke Markgrafenstraße/Taubenstraße war nach kurzer Suche der perfekte Platz, um unsere Campingstühle aufzustellen und die Picknickdecke auszubreiten. Mit Blick auf den Deutschen Dom und gut die Hälfte vom Konzerthaus konnte man von hier aus auch erkennen. Allerdings nur die obere linke Hälfte. Die Bühne weiter unten blieb natürlich dem Publikum auf dem Gendarmenmarkt drinnen vorbehalten. Auf jeden Fall aber war unser Standort bestens gewählt um später das große Feuerwerk zu bestaunen. Denn dabei hatten wir alle Leuchtfeuer am Himmel genau im Blick. Im direkten Vergleich – ich muss es ganz ehrlich sagen – waren unsere Campingstühle deutlich bequemer als die Klappstühle auf dem Gendarmenmarkt (die ich Sonntag dann ausprobierte).

REGES TREIBEN

„Drinnen“ steppt der Bär, wie man so schön sagt. Rund um das berühmte Schiller-Denkmal. Mit vielen facettenreichen Auftritten. „Klassisch“ ist hier schon mal gar nichts. Nicht umsonst schreibt sich das Festival mit einem „C“ statt mit einem „K“. Und so holt das Classic Open Air am Gendarmenmarkt wirklich jeden ab. Vom Klassik-Fan bis hin zum Zuhörer, der es in Sachen Musik dann doch moderner liebt. Auf der Bühne ist Abwechslung das Zauberwort. Ich war vor allem Fan der vielen Filmmusiken und habe von „Bodyguard“ bis zum „Weißen Hai“ einiges erkannt, was man von „drinnen“ zu hören bekam.

Action auf der Bühne. Reges Treiben aber auch in den Straßen, die sich im Laufe des Abends immer mehr füllen. Geschäftsleute im Business-Dress bleiben stehen, lauschen den Klängen und stellen für einen Moment Aktenkoffer und Laptoptasche ab. Auch das „illegale“ Publikum ist sehr gemischt, von jung bis jung geblieben. Vom hippen Biertrinker bis zum edel durchgestylten Rosétrinker. Eins aber eint uns alle: wir verstehen (leider) nicht immer alles, was aus Richtung Bühne zu uns rüber kommt. Das macht aber nichts. Kurzerhand erraten wir einfach die Stars des Abends und die gespielten Filmmusiken. War das jetzt Axel Prahl? Ganz sicher waren wir uns beim Haupt-Act: Peter Maffay. Er hat einfach eine unverkennbare Stimme. Wie gesagt die „Auflösung“ schauen wir uns dann am 18. Juli 2018 im Fernsehen an. Während der Pause übrigens hatten wir ganz klar wir die besseren „Karten“. Nicht nur die bequemen Stühle. Alle Snacks gingen noch mal ganz gemütlich herum, kein langes Anstehen nötig. Gurken, Bouletten, Cabanossi, selbstgemachter Avocado-Dip, Grissini, frische tiefrote Erdbeeren sowie getrocknete Apfelchips. Mit großer Getränkeauswahl wurde angestoßen – auf ein tolles Erlebnis und auf eine tolle gemeinsame Zeit. Es war zauberhaft!

VIER PIANISTEN – EIN KONZERT

Gespannt war ich dann am Sonntag auf das Klangerlebnis direkt auf dem Platz, in das man natürlich nur kommt, wenn man im Besitz einer Karte ist. Genauso einzigartig wie die Musiker auf der Bühne, ist auch ihr Spielort. Und ich muss zugeben, wenn man mittendrin auf dem Gendarmenmarkt sitzt, ist das Zusammenspiel von Musik und Blick auf die historischen Gebäude überwältigend. Die Farben vom Konzerthaus wechseln – passend zum jeweiligen Musikstück und Künstler. Und die Künstler gaben an diesem Abend wirklich alles. Noch nie habe ich so eine Bandbreite an Klaviermusik erlebt, von Klassik bis Moderne. Noch nie habe ich vier Pianisten – gleichzeitig – an zwei Flügeln spielen sehen. Noch nie habe ich solche großartigen Klänge auf dem Gendarmenmarkt vernommen. Und so hatte ich – Dank den Ausnahmekünstlern Joja Wendt, Sebastian Knauer, Axel Zwingenberger & Martin Tingvall – viele bezaubernde Momente an diesem Abend. Sie haben nicht nur am Flügel gespielt, sondern zwischen den Stücken auch wunderbar unterhalten. Man merkte ihnen die Freude hier zu spielen regelrecht an. Und auch das Wetter spielte wieder mit. Das ist bei einem Open Air Event ja nicht ganz unwichtig. Regenschirm aufspannen ist nämlich verboten. Und bei einer Schlecht-Wetter-Prognose empfiehlt sich dann ein dünner Einweg-Regenponcho.

Der Gendarmenmarkt gilt ja nicht nur als schönster Platz von Berlin, sondern sogar von Europa. Und wenn dieser historische, wunderschöne Ort mit solch einem musikalischen Feuerwerk bespielt wird, ist das wirklich etwas ganz besonderes. Besonders war aber auch die Zeit nach dem Konzert. Als dann die vielen Tausend Besucher zu den Ausgängen eilten. Ich blieb noch eine Zeit lang sitzen, inmitten der leeren Stuhlreihen. Denn ich wollte diese Kulisse und auch die plötzliche Ruhe noch etwas genießen. Und so entstanden zwei Fotos, die diese Stille nach dem Konzert wunderbar einfangen wie ich finde.

Blick auf Konzerthaus und leere Bühne
Französischer Dom bei Nacht

 

MEIN TIPP: Mit dem Classic Open Air Festival erlebt man klassische Konzerte einmal von einer ganz anderen Seite. Crossover ist das Stichwort. Das gefällt auch denjenigen, die sich überhaupt nicht als Fan klassischer Musik bezeichnen würden. Also hingehen, zuhören, ausprobieren. Und das Festival von zwei unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten – als Besucher auf dem Gelände und als Zaungast fernab der Absperrung – kann ich nur empfehlen. Denn beides hat seinen Reiz.

Der Gendarmenmarkt – Bühne für die Classic Open Air

Der Gendarmenmarkt – Bühne für die Classic Open Air

Heute geht das Open Air Event wieder los. 5 Tage lang steht Berlins schönster Platz rund um das Schiller-Denkmal ganz im Zeichen der Musik. Geboten werden besondere Klangerlebnisse: von Klassik bis Crossover. Ein Streifzug durch verschiedene Musikrichtungen ist das Konzept. So werden klassische Musikkonzerte auch mal mit Rock, Pop oder Jazz kombiniert. Vom 5. bis 9. Juli 2018 wird der Gendarmenmarkt zur tollen Kulisse für diesen musikalischen Hochgenuss. Umrahmt von Schauspielhaus, Deutschem und Französischem Dom.

Freitreppe vom Konzerthaus (ehemaliges Schauspielhaus) und Französischer Dom
Deutscher Dom

Am Eröffnungstag gibt es ein großes Feuerwerk, das den Himmel über Berlins historischer Mitte zum Leuchten bringt. Auf der Freitreppe zum Konzerthaus (ehemaliges Schauspielhaus) tritt das Deutsche Filmorchester Babelsberg in der First Night nicht nur auf, sondern feiert auch seinen hundertsten Geburtstag. Und so darf man sich auf Melodien großer Hollywood-Blockbuster freuen und Titel aus alten Ufa- und DEFA-Zeiten. Rock- und Pop-Songs sowie weltberühmte Werke aus Klassik und Oper. Moderiert von der wunderbaren Kim Fisher, die auf der Bühne Peter Maffay, Cassandra Steen, Axel Prahl, Katharine Mehrling, Dagmar Manzel, Joja Wendt, Nicole Chevalier, Robert Watson, Lars Redlich, Dieter „Maschine“ Birr, Günther Fischer mit Tochter Laura und viele mehr begrüßt.

PICKNICK UNTERM STERNENHIMMEL

Ich freue mich auf einen bunten, musikalischen Abend! Und auf ein Picknick unterm Sternenhimmel. Für das Eröffnungskonzert in der First Night suche ich mir heute – bewaffnet mit Picknickdecke und Campingstuhl – nämlich einen Platz außerhalb der Umzäunung. Das ist inzwischen Kult, habe ich mir sagen lassen. Inzwischen gibt es also die schöne Tradition das Spektakel auch von draußen zu erleben. Sehen kann man dann zwar nichts, aber eben den zauberhaften Klängen lauschen. Und anschließend den Auftaktabend im rbb Fernsehen am 18. Juli um 20.15 Uhr nachschauen. Am Sonntag beim Crossover Abend „Vier Pianisten – Ein Konzert“ wechsle ich dann die Perspektive und schaue mir das Festival von drinnen an. Mehr zu meinem Besuch auf dem Gendarmenmarkt und als Zaungast findet ihr hier: ein kleiner Erlebnis-Bericht.

Viel Spaß allen, die sich in den nächsten Tagen und heute rund um den Gendarmenmarkt tummeln!


Classic Open Air am Gendarmenmarkt I 5. bis 9. Juli 2018 jeweils um 19.30 Uhr Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin I www.classicopenair.de

 

Und hier noch Wissenswertes zum Gendarmenmarkt und zur Aussichtsplattform auf dem Französischen Dom:

DER GENDARMENMARKT

Der Platz gehört zu den Hotspots der Spree-Metropole. Restaurants, Cafés, exklusive Boutiquen sind in der Nähe, ebenso die berühmte „Friedrichstraße“ oder der Prachtboulevard „Unter den Linden“. Heute schlendern Berliner und Touristen über den Gendarmenmarkt, auf dem einst Soldaten im preußischen Reiterregiment marschierten. Seinen Namen erhielt der ursprünglich als Markt angelegte Ort 1799. Nach den berühmten „Gens d’àrmes“ und in Erinnerung an die Stallungen, die der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. hier im Jahr 1736 errichten ließ.

FRANZÖSISCHER DOM: WO BITTE GEHT’S  NACH DRAUßEN?

Von der Aussichtsplattform des Französischen Doms (Eintritt 3 €) hat man einen wunderschönen Blick über Berlins schönsten Platz. Den ihr in den Bildern oben seht. Leider werden der Turm und auch das Hugenottenmuseum gerade saniert.

Vielleicht finde ich bei der Wiedereröffnung 2019 dann aber die Tür nach draußen. Als ich im letzten Jahr wirklich ganz oben unter einer gigantischen Glocke ankam, war ich überrascht. Alles verglast und so manches runde Fenster bot wegen erhöhtem Verschmutzungsgrad keine schönen Aussichten auf ein brillantes Foto. Wieder unten angekommen schlenderten wir hinüber zum Deutschen Dom. Und dann kam die Erkenntnis: es muss einen Weg ins Freie geben, den wir verpasst oder einfach nicht gesehen haben. Denn hinter der runden Balustrade unterhalb der Kuppel waren ganz deutlich Menschen zu erkennen.

Nun gut, ein Grund nochmal hinauf zu steigen. Und immerhin ist man ein Stockwerk höher auch dem Himmel mindestens ein oder zwei Meter näher. Fehlender Orientierungssinn lässt sich manchmal auch schön reden…

Unter den Wolken… Segelfliegen nahe Berlin

Unter den Wolken… Segelfliegen nahe Berlin

In zwei unglaublichen Segelflügen bin ich durch das Berliner Umland und durch die Lüfte geschwebt. Diese wunderschöne Landschaft mit Wäldern und Seen aus der Luft zu genießen, ist ein atemberaubendes Erlebnis. Aber auch den Berliner Fernsehturm, Tropical Island  und das in der Nähe liegende Königs Wusterhausen – mit berühmtem Jagdschloss vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I – kann man am Horizont erkennen.

Ein ganz großes Dankeschön an den Luftsportclub Interflug Berlin in Friedersdorf und an meinen wunderbaren Piloten Marian, der mich hat einsteigen lassen. In eine Puchacz  1656 und eine 2655.
Gestartet sind wir von Null auf Hundert in 3 Sekunden! Gezogen von einer Seilwinde. Da allerdings dachte ich: worauf hab ich mich nur eingelassen? Denn Achterbahn und Karussell meide ich sonst eher. Aber das lautlose Segeln in der Luft ist im Gegensatz dazu ganz entspannt und Idylle pur. Der Aufstieg – allein durch die Antriebskraft vom Wind – funktioniert indem man sozusagen im Kreis nach oben segelt. Mit tatsächlich richtig vielen Umdrehungen wird nach oben „gekreiselt“ und dabei die Thermik genutzt. Wir sind nicht nur auf eine tolle Höhe von 860 Meter gekommen, sondern waren Dank Parabelflug auch zweimal schwerelos. Das war fantastisch, aber macht jeder Achterbahn echte Konkurrenz.
Jetzt bin ich angesteckt! Als es beim ersten Flug – wo wir auf nur 320 Meter hoch kamen – gen Boden ging und ich mich nach dem Aufsetzen von Gurt und Fallschirm gelöst hatte, wollte ich sofort wieder einsteigen und nochmal in die Luft. Und mein Wunsch wurde erhört. Denn anschließend waren die Winde günstig. Und der Mix aus Sonne und Wolken macht die Sicht gleich doppelt so schön!
Der Verein sucht übrigens noch Segelflugbegeisterte Mitglieder und hier kann man auch seinen Flugschein machen. Oder ab und zu als Gast mitfliegen. So wie ich…
Der Flugplatz Friedersdorf liegt südöstlich von Berlin und ist in knapp 45 Autominuten zu erreichen.  Die Gegend hier ist landschaftlich besonders schön. Man fliegt über Wälder, Felder und Seen –  sehr abwechslungsreich! Wolziger See, Dolgensee und Langer See liegen von der Start- und Landebahn nicht weit entfernt. Genauso wie die Dahme, die Richtung Berlin fließt. Die Hauptstadt selbst ist in der Ferne natürlich auch zu erkennen – mit ihrem markanten Wahrzeichen dem Fernsehturm.

Luftsportclub INTERFLUG Berlin e.V. I Flugplatz Friedersdorf I Wolziger Chaussee, 15754 Heidesee / OT Friedersdorf I www.segelflug-berlin.de


Event-Tipps in Berlin Friedrichshagen

Event-Tipps in Berlin Friedrichshagen

 

Heute möchte ich euch den wunderschönen Künstlerort Berlin Friedrichshagen ans Herz legen. Ein Besuch zum Stadtrand von Berlin lohnt sich gleich mehrfach. Mein liebstes Motiv, wenn man die Müggelspree nicht überquert, sondern durch den Spreetunnel Berlin-Köpenick unterquert hat: das Berliner Bürgerbräu Gebäude. Bis zur Schließung übrigens eine der ältesten Berliner Brauereien.

Der Müggelsee ist nicht weit und zahlreiche kleine Cafés in der Bölschestraße laden zum Verweilen und Schlemmen ein. An diesem Wochenende öffnen außerdem 40 Künstler ihre Ateliers und Werkstätten in Friedrichshagen. Erlebt Kunst in historischen Häusern, idyllischen Remisen und romantischen Gärten. Informationen dazu unter: www.offene-ateliers-friedrichshagen.de.

Ich aber mache mich erst einmal auf in das traditionsreiche Filmtheater Kino Union und treffe mich dort zum Interview über die bewegte Kinogeschichte. Abends wird es dann poetisch im Freiluftkino Friedrichshagen. Beim Ostberlin Poetry Slam Open Air 2018 sind die ganz Großen der deutschen Poetry Szene ab 19 Uhr zu hören.

Also jede Menge zum Erleben. Und bei den Temperaturen kann man nur sagen: ab ins Grüne und zum Wasser! Ich wünsche euch ein zauberhaftes und kunstvolles Wochenende, wo auch immer ihr seid.